Dax- und Euro-Anleger ignorieren Griechenland-Debatte

Mittwoch, 21. November 2012, 14:25 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Politiker schaffen es nicht, eine Lösung für Griechenland zu finden - aber kaum ein Anleger schaut hin.

Denn die Investoren halten es für äußerst unwahrscheinlich, dass der südeuropäischen Staat noch fallengelassen wird. "Die Entscheidung ist nicht aufgehoben, nur aufgeschoben", bringt Analyst Sebastian Sachs von der Metzler Bank die Stimmung auf den Punkt. "Das ist politisches Theater." Eine Einigung werde früher oder später noch kommen, erklärt auch Suji Saito, Währungsstratege bei der Credit Agricole in Tokio. Dax und Euro gaben daher am Mittwoch nur zeitweise deutlicher nach und lagen am späten Vormittag schon wieder bei ihrem Vortagesniveau.

Die Euro-Gruppe und der Internationale Währungsfonds (IWF) waren nach zähen Verhandlungen in der Nacht daran gescheitert, sich auf eine Lösung für Griechenland zu einigen. Die Gespräche sollen nun am Montag fortgesetzt werden. Vielleicht werde dann eine Lösung gefunden, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Die Wahrscheinlichkeit sei hoch - sicher sei es aber nicht. Euro-Länder und IWF streiten darüber, wie Griechenland am besten nachhaltig zu helfen ist. Die Euro-Gruppe will der Regierung in Athen zwei zusätzliche Jahre bis 2022 zur Senkung der Schulden auf eine tragfähige Basis geben will. Das wird vom IWF abgelehnt. Laut Analysten geht es um einen Schuldenverzicht der Euro-Geberländer, die dazu nicht bereit seien.

DAX & CO SCHAFFEN SOGAR EIN LEICHTES PLUS

Den Euro belastete die Entwicklung nur kurz. Am Nachmittag notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,28 Dollar und damit auf dem Vortagesniveau. An den Aktienmärkten hielten sich Gewinner und Verlierer die Waage: Der Dax notierte bei 7170 Punkten nahezu unverändert, ebenso der EuroStoxx50, der bei 2510 Punkten stand. Auch an den Börsen in Paris, Madrid und Mailand sowie außerhalb der Euro-Zone in London und Zürich traten die Indizes auf Stelle. Selbst an der Athener Börse zogen im Verlauf die Kurse leicht ins Plus, nachdem der Leitindex zuvor noch ein Prozent verloren hatte. Am griechischen Rentenmarkt stiegen die Kurse der Staatsanleihen deutlicher als ihre Pendants in der Euro-Zone. Der Bund-Future konnte nur wenig von seiner Funktion als sicherer Anlagehafen profitieren. Er kletterte um bis zu 26 Ticks auf 142,64 Punkte, bröckelte dann aber in Richtung des Vortagesniveaus ab.

Für die Wall Street sagten Händler trotz einer Reihe Konjunkturdaten einen ruhigen Handel voraus. Wegen des "Thanksgiving"-Feiertags am Donnerstag schließen die US-Börsen am Mittwoch früher.

MÜNCHENER STEUERBEAMTE MACHEN SKY BEINE

Unter den Einzelwerten ragten am deutschen Aktienmarkt die im MDax notierten Sky-Aktien hervor. Mit einem Plus von bis zu 13,3 Prozent auf ein Vier-Jahres-Hoch von 4,07 Euro reagierten die Aktien auf eine Entscheidung des Münchener Finanzamtes, das einen jahrelangen Clinch mit dem From Subject Received Size Categories Trost, Silke Saisonbedingt schleppende OTC-Nachfrage bremst den Massenmarkt 14:18 143 KB Medienzar Rupert Murdoch beendete und ihm so freie Bahn für den Erwerb einer Mehrheit am PayTV-Sender gab. Denn auf Basis des Bescheids verlöre Murdoch bei einer Anteilsaufstockung den in den vergangenen Jahren angehäuften Steuerbonus von 2,1 Milliarden Euro nicht mehr.

Auf der Dax-Gewinnerseite standen SAP mit einem Plus von bis zu 2,3 Prozent auf ein Zwölf-Jahres-Hoch von 59,03 Euro zeitweise ganz oben. Positive Aussagen auf einer Investorenkonferenz in der vergangenen Woche in Barcelona wirkten immer noch nach, erklärten Händler.

Kritische Kommentare von Analysten drückten aber auch auf die Kurse: So fielen Siemens um 1,5 Prozent auf 77,40 Euro, nachdem die Deutsche Bank ihre Empfehlung für die Titel auf "Verkauf" von "Halten" und das Kursziel um zehn Euro auf 65 Euro gesenkt hatte. Auch die Aktien von K+S gerieten nach einer Verkaufsempfehlung von JP Morgan unter Druck und verloren 1,4 Prozent.

Enttäuschung über das Quartalsergebnis drückte im MDax die Aktien des Wohnungskonzerns Gagfah um zwei Prozent ins Minus. Die Südzucker-Aktien fielen um drei Prozent. Anleger fürchten wegen einer Kapitalerhöhung eine Verwässerung ihrer Anteile.