Investoren behalten trotz Griechenland-Drama die Ruhe

Mittwoch, 21. November 2012, 19:13 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Hängepartie bei der Rettung Griechenlands hat Anleger am Mittwoch wenig beeindruckt.

Überzeugt vom politischen Willen, das hochverschuldete Land durchzubringen, lehnten sie sich zurück und warteten ab. Der Dax ging 0,2 Prozent fester bei 7185 Zählern aus dem Handel, der EuroStoxx schloss 0,4 Prozent höher bei 2520 Punkten. Auch der Euro steckte die Entwicklungen rund um Griechenland locker weg. Die Gemeinschaftswährung notierte um 1,2820 Dollar und hielt sich damit auf dem Niveau vom Vortag. Bundesanleihen - gern in Krisenzeiten als sicherer Hafen angefahren - bröckelten dagegen ab.

"Jetzt wird um die Ausgestaltung der Hilfen gefeilscht, aber das lässt Investoren relativ kalt, weil jeder eine Einigung erwartet", sagte Aktienstratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank. Besonders entspannt gaben sich Investoren in Athen: Der dortige Leitindex zog um 1,1 Prozent an, am griechischen Rentenmarkt stiegen die Kurse der Staatsanleihen deutlicher als ihre Pendants in der Euro-Zone.

Euro-Länder und IWF streiten darüber, wie der griechische Schuldenberg dauerhaft abgebaut werden kann. Während die Europäer Athen zwei Jahre mehr Zeit geben wollen, um das langfristige Schuldenziel zu erreichen, plädiert der Währungsfonds für einen Schuldenschnitt. Wegen dieser Differenzen blieb auch offen, wie eine Finanzlücke bis 2016 gestopft werden soll. Neue Verhandlungen sind für Montag angesetzt, dann - glaubt man den Politikern - soll der Durchbruch geschafft werden.

Die Kurse an der Wall Street waren zum Handelsschluss in Deutschland ebenfalls wenig verändert. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte lag 0,3 Prozent höher, die Technologiebörse Nasdaq notierte 0,1 Prozent im Plus. Vor dem Thanksgiving-Feiertag am Donnerstag seien kaum noch Investoren am Markt unterwegs, sagten Händler.

SKY-ANLEGER ERWARTEN ANTEILS-AUFSTOCKUNG VON MURDOCH

Unter den Einzelwerten am deutschen Aktienmarkt ragten die Anteilsscheine des Fernsehsenders Sky hervor, die um bis zu 13,3 Prozent auf ein Vier-Jahres-Hoch von 4,07 Euro hochschnellten. Das Münchener Finanzamt hat dem Großaktionär Rupert Murdoch einen Milliarden-Steuerbonus bei seiner Sky-Beteiligung zugestanden. Damit ist der Weg für den Medienunternehmer frei, seine Anteile aufzustocken und die Kontrolle über den Sender zu übernehmen. Die Titel gingen 8,7 Prozent höher aus dem Handel.

Im Dax zählten der Technologiekonzern Infineon und der Softwarekonzern SAP zu den gefragtesten Werten und beendeten den Handel 2,4 beziehungsweise zwei Prozent höher.

Abgestoßen wurden nach kritischen Analystenkommentaren die Aktien von K+S und Siemens, die 3,1 und 1,3 Prozent nachgaben.