Euro ist wieder da - Zumindest für Thanksgiving

Donnerstag, 22. November 2012, 17:22 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Anleger sind wieder etwas zuversichtlicher: Sie sehen Licht am Ende des Konjunkturtunnels und halten die Schuldenkrise in Griechenland für lösbar.

Das hat am Donnerstag vor allem dem Euro auf die Sprünge geholfen. Die Gemeinschaftswährung stieg um mehr als einen halben US-Cent auf fast 1,29 Dollar und notierte damit so hoch wie seit drei Wochen nicht mehr. Unterstützt wurde er dabei vom guten Verlauf einer neuen spanischen Anleihe-Auktion, die es Spanien erlaubte, schon für 2013 bei den Anlegern Kredite aufzunehmen. Wegen des US-Thanksgiving-Feiertages - die Wall Street bleibt am Donnerstag geschlossen - fehlten allerdings viele Marktteilnehmer, so dass die Umsätze gering blieben.

Erleichterung über einige europäische Konjunkturdaten hatte am Vormittag den Euro angestoßen. Das Markit-Institut hatte unter anderem seine Einkaufsmanagerindizes für die Euro-Zone, Frankreich und Deutschland für November veröffentlicht, die zum Teil nicht ganz so schlecht wie befürchtet ausfielen. Die überwiegenden Stimmungsverbesserungen in Deutschland und Frankreich seien positiv zu werten, erklärte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Allerdings warnte er auch zugleich, dass die Konjunktursorgen blieben, denn die Niveaus seien noch weit vom Expansionsbereich über 50 Punkte entfernt.

China ist da schon weiter. Die Industrie der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft verbuchte im November erstmals seit einem Jahr wieder bessere Geschäfte, wie aus der Umfrage der Großbank HSBC hervorgeht, deren Einkaufsmanagerindex um 0,9 auf 50,4 Punkte kletterte. Viele Analysten vermuten, dass China demnächst wieder mit höheren Wachstumsraten aufwarten kann. Manche warnten aber auch, dass die Erholung noch in einem frühen Stadium sei. Einig sind sich die Analysten darin, dass China das Potenzial habe, auch der Weltwirtschaft wieder auf die Beine zu helfen.

Als positiv beschrieben Analysten die Aufnahme neuer Mittel durch Spanien am Rentenmarkt. Es konnte problemlos knapp 3,9 Milliarden Euro über verschiedene Laufzeiten aufnehmen. Das als Anwärter auf den Euro-Rettungsschirm gehandelte Land bot den Investoren durch die Bank niedrigere Zinsen als bei den vorangegangenen Versteigerungen. Am Sekundärmarkt verharrten die Kurse der spanischen Staatsanleihen denn auch unbeirrt im Plus, so dass die Renditen leicht nachgaben. Die Zinsen für die zehnjährigen Anleihen sanken um sechs Basispunkte auf 5,67 Prozent. Sicherheit war dagegen nicht gefragt. Der Bund-Future notiert mit 142,14 Zählern drei Ticks niedriger.

Händler begründeten die Gelassenheit der Anleger auch mit Spekulationen auf einen guten Ausgang in der griechischen Schuldenkrise am nächsten Montag. Dann unternehmen die Euro-Finanzminister einen neuen Anlauf, die Meinungsverschiedenheiten mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über einen nachhaltigen Abbau der griechischen Schulden beizulegen. "Das Kalkül des Devisenmarktes ist mal wieder ganz einfach", schrieben die Analysten der Commerzbank in einem Kommentar. Zwar seien die wichtigsten Streitpunkte noch nicht geklärt, aber früher oder später werde es wohl zu einer Lösung kommen. "Offensichtlich kann sich kaum jemand vorstellen, dass es der Eurogruppe letztlich nicht gelingt, weitere Mittel bereitzustellen", erklärten die Analysten weiter.

 
A man passes by a newspaper featuring the Euro currency sign in central Athens November 21, 2012. International lenders failed for the second week to reach a deal to release emergency aid for Greece and will try again next Monday, but Germany signalled that major divisions remain. REUTERS/John Kolesidis (GREECE - Tags: POLITICS BUSINESS)