Konjunkturdaten machen Anlegern Lust auf Europas Aktien

Donnerstag, 22. November 2012, 18:04 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - In der Hoffnung auf eine Erholung der Weltkonjunktur haben Anleger am Donnerstag bei europäischen Aktien zugegriffen.

Sie stützten ihren Optimismus dabei auf positive Konjunkturdaten aus China und der Euro-Zone. Dax und EuroStoxx50 verabschiedeten sich jeweils mit einem Plus von mehr als einem halben Prozent bei 7244,99 und 2535,09 Punkten in den Feierabend. Seit Montag haben beide Indizes rund 4,5 Prozent zugelegt und steuern damit auf den größten Wochengewinn des Jahres zu.

"Die große Frage ist, ob die chinesische Wirtschaft in richtig schlechter Verfassung ist und ob die USA länger für ihre Erholung brauchen", sagte Peter Braendle, leitender Aktienmarkt-Experte des Vermögensverwalters Swisscanto. "Aber wir erhalten Signale, dass die Situation nicht so schlimm ist wie gedacht."

Der Konjunkturindex der chinesischen Einkaufsmanager kletterte zum ersten Mal seit 13 Monaten wieder über die Schwelle von 50 Punkten und signalisierte damit Wirtschaftswachstum. "Zwar dürften von der aktuellen Erholung zunächst vor allem chinesische Unternehmen profitieren", schrieb Thomas Gitzel, Volkswirt der VP Bank, in einem Kommentar. "Doch exportstarke Länder wie Deutschland werden über kurz oder lang ebenfalls in den Genuss von zunehmenden Auftragseingängen aus China kommen."

Mit gewisser Erleichterung reagierten Investoren auf die teilweise besser als erwartet ausgefallenen europäischen Einkaufsmanager-Indizes. Vor allem das Anstieg des französischen Stimmungsbarometers auf 44,6 Punkte von 43,5 Zählern sorge für gute Stimmung, sagte Aktienmarkt-Experte Gregor Kuhn vom Brokerhaus IG Markets. "Frankreich war zuletzt, auf Grund sich zuspitzender Probleme in puncto Konjunktur und Schuldenentwicklung, verstärkt in den Fokus geraten."

Da die Wall Street wegen des US-Erntedankfestes (Thanksgiving) geschlossen blieb, hielten sich auch viele europäische Marktteilnehmer zurück. So lag der Aktienumsatz der Dax-Werte mit 2,4 Milliarden Euro etwa 20 Prozent unter dem Durchschnitt. Vor einem Jahr lag dieser Wert bei mehr als vier Milliarden Euro.

LUFTHANSA IM AUFWIND - VOSSLOH SENKT JAHRESZIELE

Zu den Favoriten des deutschen Leitindex zählten Lufthansa, deren Aktien sich um 4,9 Prozent auf 12,51 Euro verteuerten. Sie profitierten dabei ebenso wie zahlreiche Konkurrenten von Kursziel-Anhebungen durch die Analysten der Barclays Bank. Air France legten an der Pariser Börse um 2,6 Prozent zu und die Titel der British Airways-Muttergesellschaft IAG gewannen in London 1,9 Prozent. Die Papiere der beiden Billig-Flieger Ryanair und EasyJet stiegen jeweils um etwa zwei Prozent.

Im Nebenwerte-Index MDax drehten Vossloh am Nachmittag ins Minus. Der Bahntechnik-Konzern schraubte seine Gesamtjahresziele herunter. Im kommenden Jahr werde wohl der Umsatz nur leicht steigen und das operative Ergebnis stagnieren. Vossloh-Titel schlossen zwei Prozent tiefer bei 74,77 Euro, nachdem sie zuvor zeitweise auf ein Drei-Wochen-Hoch von 78,50 Euro gestiegen waren.

An der Londoner Börse stachen SABMiller mit einem Kursplus von 6,4 Prozent heraus. Der weltweit zweitgrößte Bierbrauer, zu dessen Marken Pilsner Urquell und Miller Genuine Draft gehören, hatte dank guter Geschäfte in Afrika und Lateinamerika ein Umsatz- und Gewinnplus bekanntgegeben. Rivale und Weltmarktführer Anheuser-Busch Inbev notierte an der Brüsseler Börse 1,1 Prozent fester.

 
The DAX board is pictured at the Frankfurt stock exchange November 22, 2012. REUTERS/Remote/Wolfgang Rattay (GERMANY - Tags: BUSINESS)