Ifo-Index lockt Anleger nicht hinterm Ofen hervor

Freitag, 23. November 2012, 11:41 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Konjunkturdaten aus Deutschland haben die Anleger an den europäischen Aktienmärkten am Freitag nicht zu Käufen ermutigt.

Der Dax notierte am Vormittag 0,1 Prozent im Plus bei 7248 Punkten, der EuroStoxx verzeichnete ein Minus von 0,1 Prozent auf 2532 Punkte. Der Ifo-Index war zwar überraschend gestiegen, Experten warnten aber vor zu viel Optimismus. Das färbte auf die Anleger ab, die sich in Zurückhaltung übten. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland stieg im November auf 101,4 Punkte von 100,0 Punkten im Vormonat. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Rückgang auf 99,5 Punkte gerechnet. "Der Anstieg des Ifo-Indexes ist eine positive Überraschung, aber wir sehen darin noch keine Trendwende für die deutsche Wirtschaft. Es ist eine Stabilisierung", sagte Volkswirt Christian Melzer von der Dekabank.

Der Dax schaffte nach Veröffentlichung des Stimmungsbarometers zwar den Sprung in den grünen Bereich, ein Kursfeuerwerk gab es allerdings nicht. "Der Dax ist diese Woche schon so gut gelaufen. Da will sich vor dem Wochenende keiner mehr zu weit aus dem Fenster lehnen, auch wenn der Ifo-Index gut ausgefallen ist", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Seit Freitag vergangener Woche hat der Leitindex rund vier Prozent gewonnen.

Angesichts des verlängerten Wochenendes vieler US-Anleger rechneten Börsianer für den restlichen Tag mit einem eher ruhigen Handelsverlauf. Am Donnerstag wurde an den US-Börsen wegen des Feiertages Thanksgiving nicht gehandelt, am Freitag schließt die Wall Street früher.

GESTERN HUI, HEUTE PFUI

Nachdem die Aktien der Commerzbank am Donnerstag noch gut sechs Prozent zugelegt hatten, übernahmen sie am Freitag mit einem Minus von zwei Prozent die rote Laterne im Dax.

Auf der Gewinnerseite standen dagegen Bayer mit einem Plus von einem Prozent. Die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns kletterten nach einer Kurszielerhöhung durch die Analysten von Nomura um ein Prozent.

Ihren Höhenflug setzten Lufthansa fort. Sie verteuerten sich um 1,5 Prozent, nachdem die Analysten von Morgan Stanley das Kursziel für die Aktien der Fluggesellschaft angehoben hatten.

Im MDax verkauften die Anleger vor allem EADS-Papiere. Spekulationen um eine bevorstehende Aktienplatzierung sorgten bei den Titeln des Luft- und Raumfahrtkonzerns für ein Minus von knapp drei Prozent. Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf deutsche Regierungskreise berichtet, die KfW solle ein EADS-Aktienpaket von drei Prozent von Frankreich übernehmen. Die Bundesregierung bezeichnete den Bericht als Spekulation. Eine Folge des neuen Modells wäre, dass der Bund nur noch etwa 1,5 Prozent vom deutschen EADS-Großaktionär Daimler erwerben würde. Daimler will seit längerem die Hälfte seiner 15-prozentigen Kapitalbeteiligung an EADS verkaufen. "Daimler müsste dann Aktien über den Markt verkaufen. Das drückt den Kurs, weil das ein größeres Paket wäre", sagte ein Händler.

Eine Herunterstufung auf "Underweight" von "Neutral" durch die Analysten von HSBC belastet die Fraport-Aktien, die sich um 2,7 Prozent verbilligten.