DAX-VORSCHAU-Griechenland-Drama dürfte Anleger in Atem halten

Freitag, 23. November 2012, 13:39 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Den Anlegern am deutschen Aktienmarkt könnte eine unruhige Woche bevorstehen.

Vor allem die Frage, ob Griechenland nach wochenlangen Verhandlungen endlich mit der Auszahlung der nächsten Hilfsgelder rechnen kann, dürfte die Gemüter bewegen. "Die Hängepartie treibt den Anlegern tiefe Sorgenfalten auf die Stirn", sagte ein Händler. Wolfgang Duwe, Aktienstratege bei der Bremer Landesbank, sieht den Dax in den kommenden Handelstagen wieder in Richtung 7000 Punkte fallen.

Bis Freitagmittag verbuchte der Dax auf Wochensicht ein Plus von mehr als vier Prozent auf 7243 Stellen. Erste Fortschritte im US-Haushaltsstreit und ermutigende chinesische Konjunkturdaten hatten die Investoren zuletzt zuversichtlich gestimmt.

ENTTÄUSCHUNGSPOTENZIAL IST GROSS

Am Montag wird jedoch Sorgenkind Griechenland wieder ins Rampenlicht rücken. Dann kommen die Euro-Finanzminister in Brüssel zusammen, um erneut über die Freigabe der Milliardenkredite an das hoch verschuldete Land zu verhandeln. Streitpunkt ist, ob Athen beim Abbau seiner Schulden mehr Zeit bekommen und wer in diesem Fall die entstehende Finanzlücke schließen soll. In der Nacht zum Mittwoch hatten die Politiker die Gespräche über ein Maßnahmenpaket ergebnislos abgebrochen.

Sollte es am Montag kein positives Ergebnis geben, wäre die Enttäuschung enorm, schreibt Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen in einem Kommentar. "Schließlich dürfte der Markt bereits zum Großteil eine Einigung eingepreist haben."

Abseits von Griechenland blicken die Anleger auf die USA, wo Demokraten und Republikaner sich weiterhin um eine Lösung im US-Hauhaltsstreit bemühen. Ohne Einigung drohen zum Jahreswechsel automatische Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten. Analysten gehen davon aus, dass sich die Unsicherheit über den Ausgang der Verhandlungen auch in den Auftragseingängen langlebiger Güter bemerkbar machen wird. Sie rechnen für Oktober im Schnitt mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Die Daten werden am Dienstag veröffentlicht.

FOLGEN WEITERE ANLEIHENKÄUFE DER FED?

Für Investoren interessant werden dürfte auch die Veröffentlichung des Konjunkturberichts der US-Notenbank Fed, das so genannte Beige Book (Mittwoch). Anleger erhoffen sich daraus Hinweise über das weitere Vorgehen der Notenbank. Aus dem letzten Sitzungsprotokoll war hervorgegangen, dass sich mehrere Währungshüter für eine Verstärkung der Anleihenkäufe im nächsten Jahr ausgesprochen hatten. Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner geht davon aus, dass die Fed noch lange an ihrem expansiven Kurs festhalten wird.

Auf Unternehmensseite dürfte es in der neuen Woche ruhig bleiben. Der große Schwung der Bilanzzahlen ist längst durch. Spannend könnte allerdings die Aufsichtsratssitzung von Siemens am Mittwoch werden. Insidern zufolge läutet der Konzern die heiße Phase für die Abtrennung seiner Leuchtmittel-Tochter Osram ein. Siemens will angesichts des Wandels der Lampen-Industrie hin zu Leuchtdioden nicht mehr bei Osram investieren. Pläne für einen Börsengang scheiterten am widrigen Umfeld für die Finanzmärkte.

 
The DAX board is pictured at the Frankfurt stock exchange November 22, 2012. REUTERS/Remote/Wolfgang Rattay (GERMANY - Tags: BUSINESS)