Dax-Anleger ruhen sich auf sattem Wochenplus aus

Freitag, 23. November 2012, 18:26 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Europäische Aktienanleger haben sich am Freitag auf einem gut vierprozentigen Wochenplus ausgeruht.

Der Dax lag knapp im Plus bei 7246 Zählern, der EuroStoxx50 notierte ebenfalls nahezu unverändert um 2532 Punkte.

Die Aussicht auf eine baldige Lösung für das griechische Finanzierungsproblem und eine überraschend gute Stimmung in den deutschen Unternehmen polsterten den Markt, sagten Börsianer. Etwas Unsicherheit brachte dagegen der Streit um den EU-Haushalt. "Wenn sich die Politiker nicht auf einen Haushalt einigen können, dann konterkariert das letzten Endes die gesamte Griechenland-Debatte", sagte ein Händler. Athen diktierten die europäischen Gläubiger strenge Sparvorschriften, gleichzeitig bekämen die Politiker das beim europäischen Haushalt nicht hin.

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union hatten in der Nacht ihre Beratungen für die Etatpläne bis 2020 unterbrochen. Die Fronten scheinen verhärtet. Nettozahler wie Großbritannien oder Deutschland verlangen, dass spürbar gespart wird. Andere Länder stellen sich gegen Subventionskürzungen. Eine Lösung erwarten viele erst im neuen Jahr.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland ist im November überraschend gestiegen und hat so eine sechsmonatige Talfahrt gestoppt. "Der unerwartete Anstieg im November sorgt zwar für etwas Erleichterung, ändert aber nichts am Gesamtbild - nämlich, dass die europäische Wachstumsmaschine nahezu stagniert", erklärte Europa-Volkswirt Jonathan Loynes von Capital Economics die ausbleibende Begeisterung der Investoren.

Angesichts des verlängerten Wochenendes vieler US-Anleger rechneten Börsianer für den Nachmittag mit einem eher ruhigen Handelsverlauf. Am Donnerstag wurde an den US-Börsen wegen des Feiertages Thanksgiving nicht gehandelt, am Freitag schließt die Wall Street früher. Es zeichnete sich eine positive Eröffnung ab.

GESTERN HUI, HEUTE PFUI

Nachdem die Aktien der Commerzbank am Donnerstag noch gut sechs Prozent zugelegt hatten, übernahmen sie am Freitag mit einem Minus von 2,7 Prozent die rote Laterne im Dax. Auf der Gewinnerseite standen Bayer mit einem Plus von knapp einem Prozent auf 69,12 Euro. Die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns profitierten von einer Kurszielerhöhung von Nomura auf 78 Euro. Auch Lufthansa-Titel setzten in Reaktion auf einen Analystenkommentar ihren Anstieg fort und gewannen bis zu 1,5 Prozent.

Im MDax fielen Fraport nach einer Herunterstufung der HSBC um drei Prozent. Die Aktien des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS gaben wegen Spekulationen um eine bevorstehende Aktienplatzierung zeitweise 3,9 Prozent nach. Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf deutsche Regierungskreise berichtet, die KfW solle ein EADS-Aktienpaket von drei Prozent von Frankreich übernehmen. Die Bundesregierung bezeichnete den Bericht als Spekulation. Eine Folge des neuen Modells wäre, dass der Bund nur noch etwa 1,5 Prozent vom deutschen EADS-Großaktionär Daimler erwerben würde. Daimler will seit längerem die Hälfte seiner 15-prozentigen Kapitalbeteiligung an EADS verkaufen. "Daimler müsste dann Aktien über den Markt verkaufen. Das drückt den Kurs, weil das ein größeres Paket wäre", sagte ein Händler.

 
The DAX board is pictured at the Frankfurt stock exchange November 23, 2012. REUTERS/Remote/Wolfgang Rattay (GERMANY - Tags: BUSINESS)