Dax knackt zum Wochenschluss Marke von 7300 Punkten

Freitag, 23. November 2012, 19:47 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Dax hat sich am Freitag mit dem größten Wochenplus des ganzen Jahres aus dem Handel verabschiedet.

Der Leitindex schloss 0,9 Prozent höher bei 7309 Zählern und damit auf dem höchsten Stand seit mehr als zwei Wochen. Das Plus der vergangenen fünf Tage summierte sich auf gut fünf Prozent.

Die Aussicht auf eine baldige Lösung für das griechische Finanzierungsproblem und eine überraschend gute Stimmung in den deutschen Unternehmen stützten den Markt, sagten Händler. Allerdings hatten es die europäischen Börsen bis zum Nachmittag nur leicht ins Plus geschafft. Erst der positive Start an der Wall Street brachte auch hierzulande frischen Schwung. "Es hat die US-Märkte gebraucht, um die 7300 Punkte zu nehmen", kommentierte ein Börsianer die Bewegung im Dax. "Es gibt zu wenige Anleger hier, als dass wir das alleine hinkriegen."

Der EuroStoxx50 ging 0,9 Prozent höher bei 2557 Zählern aus dem Handel. Das Wochenplus beträgt damit ebenfalls gut fünf Prozent. Die Wall Street notierte kurz nach Börsenschluss in Europa ebenfalls im Plus. Der Dow-Jones-Index für Standardwerte lag 0,8 Prozent höher, die Technologiebörse Nasdaq 1,1 Prozent. Angesichts des verlängerten Wochenendes vieler US-Anleger lief das Geschäft vergleichsweise ruhig. Am Donnerstag war an den US-Börsen wegen des Feiertages Thanksgiving nicht gehandelt worden. Am Freitag schließt die Wall Street bereits um 19.00 Uhr (MEZ), weil an diesem Tag in den USA traditionell das Weihnachtsgeschäft in den USA eingeläutet wird. Entsprechend standen vor allem Einzelhändler wie Branchenprimus Wal-Mart im Blickpunkt, dessen Aktien um 1,4 Prozent zulegten.

GRIECHISCHE INVESTOREN BLEIBEN SKEPTISCH

Neue Zuversicht für Investoren hatte am Morgen der Ifo-Geschäftsklimaindex verbreitet, der im November überraschend gestiegen ist und so eine sechsmonatige Talfahrt gestoppt hat. Positiv werteten Anleger auch, dass die Verhandlungen um neue Gelder für Athen offenbar vorankommen. Nach griechischen Angaben zeigt sich der IWF bereit, das angepeilte Sanierungsziel für 2020 zu lockern. Damit wäre der Konflikt mit den europäischen Gläubigern entschärft. Investoren am griechischen Aktienmarkt blieben dennoch skeptisch. Der Athener Leitindex scherte aus dem europäischen Trend aus und gab 0,2 Prozent nach.

Ein Unsicherheitsfaktor in Europa blieb der Streit um den EU-Haushalt. Der Gipfel der Staats- und Regierungschefs wurde am späten Nachmittag abgebrochen. "Wenn sich die Politiker nicht auf einen Haushalt einigen können, dann konterkariert das letzten Endes die gesamte Griechenland-Debatte", sagte ein Händler. Die europäischen Gläubiger diktierten Athen strenge Sparvorschriften, gleichzeitig bekämen die Politiker es beim europäischen Haushalt nicht hin. Unterdessen scheinen die Fronten in den Verhandlungen um den Etat bis 2020 verhärtet. Nettozahler wie Großbritannien oder Deutschland verlangen, dass spürbar gespart wird. Andere Länder stellen sich gegen Subventionskürzungen. Eine Lösung erwarten viele Investoren erst im neuen Jahr.

GESTERN HUI, HEUTE PFUI

Nachdem die Aktien der Commerzbank am Donnerstag noch um gut sechs Prozent zugelegt hatten, übernahmen sie am Freitag mit einem Minus von 1,6 Prozent die rote Laterne im Dax. Auf der Gewinnerseite standen Bayer mit einem Plus von 1,6 Prozent auf 69,74 Euro. Die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns profitierten von einer Kurszielerhöhung von Nomura auf 78 Euro. Auch Lufthansa-Titel setzten in Reaktion auf einen Analystenkommentar ihren Anstieg fort und gewannen 0,6 Prozent.

Im MDax gaben die Aktien des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS wegen Spekulationen um eine bevorstehende Aktienplatzierung um 1,6 Prozent nach, in Paris betrug das Minus 1,4 Prozent. Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf deutsche Regierungskreise berichtet, die KfW solle ein EADS-Aktienpaket von drei Prozent von Frankreich übernehmen. Die Bundesregierung bezeichnete den Bericht als Spekulation. Eine Folge des neuen Modells wäre, dass der Bund nur noch etwa 1,5 Prozent vom deutschen EADS-Großaktionär Daimler erwerben würde. Daimler will seit längerem die Hälfte seiner 15-prozentigen Kapitalbeteiligung an EADS verkaufen. "Daimler müsste dann Aktien über den Markt verkaufen. Das drückt den Kurs, weil das ein größeres Paket wäre", sagte ein Händler.

An der österreichischen Börse zogen die Titel des Energieversorgers Verbund um 4,2 Prozent an. Anlegern gefiel, dass der Konzern seine 50-prozentige Beteiligung am türkischen Versorger Enerjisa an E.ON abtreten will. Der deutsche Versorger will nach Angaben von mit dem Vorgang vertrauten Personen den Markteintritt in der Türkei schaffen. E.ON-Aktien schlossen 0,1 Prozent niedriger.

 
The DAX board is pictured at the Frankfurt stock exchange November 23, 2012. REUTERS/Remote/Wolfgang Rattay (GERMANY - Tags: BUSINESS)