Politisches Armdrücken macht Wall Street weiter nervös

Samstag, 24. November 2012, 13:49 Uhr
 

New York (Reuters) - Nach einer ausgesprochen starken Handelswoche steht den Investoren an der Wall Street eine Nervenprobe bevor: In der neuen Woche nehmen US-Präsident Barack Obama und die Opposition ihre Verhandlungen im Haushaltsstreit wieder auf.

Zwar rechnen viele Börsenprofis damit, dass es nach harten Auseinandersetzungen am Ende doch zu einer Einigung kommt. Aber bis dahin dürfte der politische Hickhack um die sogenannte "Fiskalklippe" noch zu erheblichen Kursschwankungen führen.

"Beide Seiten werden ihren Einsatz erhöhen und mehr Druck aufeinander machen", sagt Investmentstratege Tim Leach von U.S. Bank Wealth Management in San Francisco. "Das wird dem Markt wieder größere Sorgen bereiten." Sollten Obamas Demokraten und die Republikaner sich nicht verständigen, würden zum Jahreswechsel automatisch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in Kraft treten, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten.

Hinzu kommen die neuen Spannungen im Nahost-Konflikt und die Hängepartie um die Griechenland-Hilfe. Hier schien eine Einigung zwischen den Geldgebern näher zu rücken. Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte beim Treffen der Euro-Gruppe am Montag eine Entscheidung fallen. "Es sollte uns bewusst sein, dass es eine Reihe von Faktoren gibt, die zu einer höheren Volatilität beitragen", sagt Leach. In der abgelaufenen Woche hatte das US-Börsenbarometer S&P 500 3,6 Prozent zugelegt. Es war damit die zweitbeste Handelswoche in diesem Jahr.

Neben den politischen Krisenfeldern gilt das Augenmerk der Anleger in den kommenden Tagen zahlreichen Wirtschaftsdaten. Sie liefern neue Erkenntnisse über die Auftragslage bei langlebigen Gütern, das Verbrauchervertrauen und die Entwicklung der Industrie (Konjunkturindex der Chicagoer Einkaufsmanager). Besondere Beachtung dürften neue Zahlen vom US-Immobilienmarkt finden. Dessen Erholung habe in diesem Jahr zu den Kursgewinnen der US-Börsen beigetragen, sagt Jeff Morris von Standard Life Investments und warnt die Börsianer zugleich vor einem zu kurzen Atem: "Ich wäre vorsichtig damit, den kommenden Tagen eine zu große Bedeutung beizumessen."