Griechenland-Hickhack zehrt an Nerven der Dax-Anleger

Montag, 26. November 2012, 11:42 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Hängepartie in Griechenland lässt die Anleger am deutschen Aktienmarkt nicht los: Am Montag wollten die Euro-Finanzminister einen neuen Anlauf starten, um sich auf weitere Finanzhilfen für Griechenland zu einigen.

Der Dax verlor 0,4 Prozent auf 7283 Punkte. In der vergangenen Woche waren die Politiker ohne Ergebnis auseinandergegangen. "Die Investoren lassen Vorsicht walten", sagte Koen De Leus, Volkswirt bei KBC. "Aber letztlich ist wohl allen klar, dass die Kreditgeber Griechenland nicht fallen lassen werden. Das ist eigentlich keine Option."

Für Streit unter den Gläubigern sorgten bislang die unterschiedlichen Maßnahmen zur langfristigen Sanierung Griechenlands. Kreisen zufolge gibt es in diesem Punkt inzwischen aber eine Annäherung. Bei dem neuen Anlauf der Finanzminister muss nach Athener Regierungsangaben nur noch eine Finanzlücke von zehn Milliarden Euro gedeckt werden, um das Hilfspaket zu schnüren. Die Tranche aus dem Rettungsprogramm summiert sich auf bis zu 44 Milliarden Euro. "Man kann nur hoffen, dass heute eine Entscheidung fällt und das Thema erst mal ad acta gelegt wird", sagte ein Börsianer.

FINANZWERTE LEIDEN UNTER UNSICHERHEIT

Mit zu den größten Verlierern am Markt zählten die Finanzwerte. Der europäische Bankenindex gab ein Prozent nach. Im Dax notierten Deutsche Bank und Commerzbank 1,2 beziehungsweise 0,4 Prozent schwächer. Die Bankwerte seien stets eine der ersten Titel, die auf die Unsicherheiten rund um die Schuldenkrise reagierten, sagte ein Händler.

Kursverluste mussten auch ThyssenKrupp hinnehmen: Der Konzern wird den geplanten Verkauf seiner verlustreichen Stahlwerke in Übersee laut "Financial Times Deutschland" (FTD) voraussichtlich nicht vor Herbst 2013 abschließen können. Thyssen-Aktien verloren in der Spitze 5,2 Prozent auf 15,92 Euro, den niedrigsten Stand seit Anfang September. "Die Verzögerung hat sich zwar bereits angedeutet, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt", sagte ein Händler. Neben dem "FTD"-Bericht belastete aber auch eine Herunterstufung durch die Analysten der Credit Suisse die Aktien. Die Experten setzten die Papiere auf "Neutral" von "Outperform" und begründeten dies unter anderem mit den Unsicherheiten rund um den Verkauf der Stahlwerke in Übersee.

Auf der Gewinnerseite standen Lufthansa hoch im Kurs: Die Aktien der Fluggesellschaft verteuerten sich um 0,7 Prozent auf 12,66 Euro. Seit Mittwoch haben die Papiere mehr als sechs Prozent zugelegt. Eine Reihe von Analysten hatte sich zuletzt positiv zur Lufthansa geäußert. Am Montag setzte die Espirito Santo Investment Bank die Aktien auf "Buy" von "Neutral" und erhöhte das Kursziel auf 19 von zehn Euro. Die Analysten erklärten, sie gingen davon aus, dass die Airline auf Sparkurs bleiben werde.

 
The curve of the DAX board is pictured at the Frankfurt stock exchange November 26, 2012. REUTERS/Remote/Marte Kiessling (GERMANY - Tags: BUSINESS)