Griechenland-Treffen macht Dax-Anleger vorsichtig

Montag, 26. November 2012, 14:05 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Streit über neue Finanzhilfen für Griechenland hat zu Wochenbeginn die Stimmung am deutschen Aktienmarkt gedrückt.

Am Montag wollten die Euro-Finanzminister einen neuen Anlauf starten, um sich auf weitere Hilfen für die Regierung in Athen zu einigen. Den Medienberichten zufolge vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) geforderten Schuldenschnitt für Griechenland lehnt die Bundesregierung weiter ab.

Der Dax verlor 0,4 Prozent auf 7283 Punkte. Der EuroStoxx50 gab 0,7 Prozent auf 2540 Zähler nach. An den US-Börsen zeichnete sich ebenfalls ein schwacher Handelsstart ab.

"Die Investoren lassen Vorsicht walten", sagte Koen De Leus, Volkswirt bei KBC. "Aber letztlich ist wohl allen klar, dass die Kreditgeber Griechenland nicht fallen lassen werden. Das ist eigentlich keine Option." In der vergangenen Woche waren die Politiker ohne Ergebnis auseinandergegangen.

Für Streit unter den Gläubigern sorgten bislang die unterschiedlichen Maßnahmen zur langfristigen Sanierung Griechenlands. Kreisen zufolge gibt es in diesem Punkt inzwischen aber eine Annäherung. Bei dem neuen Anlauf der Finanzminister muss nach Athener Regierungsangaben nur noch eine Finanzlücke von zehn Milliarden Euro gedeckt werden, um das Hilfspaket zu schnüren. Die Tranche aus dem Rettungsprogramm summiert sich auf bis zu 44 Milliarden Euro. "Man kann nur hoffen, dass heute eine Entscheidung fällt und das Thema erst mal ad acta gelegt wird", sagte ein Börsianer.

FINANZWERTE LEIDEN UNTER UNSICHERHEIT

Mit zu den größten Verlierern am Markt zählten die Finanzwerte. Der europäische Bankenindex gab 1,1 Prozent nach. Im Dax notierten Deutsche Bank und Commerzbank 1,8 beziehungsweise 0,7 Prozent schwächer. Die Bankwerte seien stets eine der ersten Titel, die auf die Unsicherheiten rund um die Schuldenkrise reagierten, sagte ein Händler.

Kursverluste mussten auch ThyssenKrupp hinnehmen: Der Konzern wird den geplanten Verkauf seiner verlustreichen Stahlwerke in Übersee laut "Financial Times Deutschland" (FTD) voraussichtlich nicht vor Herbst 2013 abschließen können. Thyssen-Aktien verloren fünf Prozent auf 15,95 Euro und waren damit Dax-Schlusslicht. "Die Verzögerung hat sich zwar bereits angedeutet, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt", sagte ein Händler. Neben dem "FTD"-Bericht belastete aber auch eine Herunterstufung durch die Analysten der Credit Suisse die Aktien. Die Experten setzten die Papiere auf "Neutral" von "Outperform" und begründeten dies unter anderem mit den Unsicherheiten rund um den Verkauf der Stahlwerke in Übersee.

Auf der Gewinnerseite standen Lufthansa hoch im Kurs: Die Aktien der Fluggesellschaft verteuerten sich um 1,2 Prozent auf 12,74 Euro. Seit Mittwoch haben die Papiere mehr als sechs Prozent zugelegt. Eine Reihe von Analysten hatte sich zuletzt positiv zur Lufthansa geäußert. Am Montag setzte die Espirito Santo Investment Bank die Aktien auf "Buy" von "Neutral" und erhöhte das Kursziel auf 19 von zehn Euro. Die Analysten erklärten, sie gingen davon aus, dass die Airline auf Sparkurs bleiben werde.

Unbeeindruckt zeigten sich die Anleger von den Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Das Konsumklimabarometer für Dezember fiel zwar um 0,2 auf 5,9 Punkte, für das Weihnachtsgeschäft rechnen die Experten aber mit florierenden Geschäften. Die im MDax gelisteten Titel des Einzelhandelskonzerns Metro notierten nahezu unverändert bei 22,15 Euro.

Ebenfalls im MDax standen die TUI-Aktien mit einem Plus von 2,4 Prozent auf 7,63 Euro an der Spitze. Der Reiseveranstalter will in der Rendite die Nummer eins werden in Deutschland, wie TUI-Deutschland-Chef Christian Clemens der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Wochenende sagte.