Griechenland-Treffen macht Dax-Anleger vorsichtig

Montag, 26. November 2012, 17:55 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Streit über neue Finanzhilfen für Griechenland hat zu Wochenbeginn die Stimmung am deutschen Aktienmarkt gedrückt.

Auch Gewinnmitnahmen belasteten Händlern zufolge den Dax, nachdem der Leitindex in der vergangenen Woche satte fünf Prozent zugelegt hatte.

Am Montag schloss das Börsenbarometer 0,2 Prozent im Minus bei 7292 Zählern. Die Zurückhaltung der Anleger war auch am schwachen Umsatzvolumen ablesbar, das sich auf lediglich 1,9 Milliarden Euro belief. Der EuroStoxx50 gab 0,6 Prozent auf 2542 Zähler nach. Die US-Börsen verzeichneten ebenfalls Verluste.

In Brüssel starteten die Euro-Finanzminister einen neuen Anlauf, um sich auf weitere Hilfen für die Regierung in Athen zu einigen. Den Medienberichten zufolge vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) geforderten Schuldenschnitt für Griechenland lehnt die Bundesregierung weiter ab. Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter äußerte sich zuversichtlich, dass sich die Euro-Gruppe aber auch ohne einen solchen Forderungsverzicht auf ein Rettungspaket einigen werde: "Ich sehe eine sehr gute Chance, dass wir heute Nacht eine Einigung haben werden."

Die Investoren ließen dennoch Vorsicht walten, sagte Koen De Leus, Volkswirt bei KBC. "Aber letztlich ist wohl allen klar, dass die Kreditgeber Griechenland nicht fallen lassen werden. Das ist eigentlich keine Option." In der vergangenen Woche waren die Politiker ohne Ergebnis auseinandergegangen.

Für Streit unter den Gläubigern sorgten die unterschiedlichen Maßnahmen zur langfristigen Sanierung Griechenlands. Kreisen zufolge gab es in diesem Punkt inzwischen aber eine Annäherung. Bei dem neuen Anlauf der Finanzminister muss nach Athener Regierungsangaben nur noch eine Finanzlücke von zehn Milliarden Euro gedeckt werden, um das Hilfspaket zu schnüren. Die Tranche aus dem Rettungsprogramm summiert sich auf bis zu 44 Milliarden Euro.

FINANZWERTE LEIDEN UNTER UNSICHERHEIT UND BARCLAYS-TALFAHRT

Mit zu den größten Verlierern am Markt zählten die Finanzwerte. Der europäische Bankenindex gab 1,3 Prozent nach. Im Dax schlossen Deutsche Bank und Commerzbank 1,9 beziehungsweise 0,1 Prozent schwächer. Die Bankwerte seien stets eine der ersten Titel, die auf die Unsicherheiten rund um die Schuldenkrise reagierten, sagte ein Händler. Belastet wurden die Titel Börsianern zufolge auch durch das mehr als fünfprozentige Kursminus der Barclays-Aktien. Die Anteilsscheine hielten sowohl im europäischen Branchenindex als auch an der Londoner Börse die rote Laterne, nachdem das Scheichtum Katar sich von seinen restlichen 379 Millionen Optionen an der britischen Großbank getrennt hatte.

Kursverluste mussten im Dax zudem ThyssenKrupp hinnehmen: Der Konzern wird den geplanten Verkauf seiner verlustreichen Stahlwerke in Übersee laut "Financial Times Deutschland" (FTD) voraussichtlich nicht vor Herbst 2013 abschließen können. Thyssen-Aktien verloren 5,1 Prozent auf 15,93 Euro und waren damit Dax-Schlusslicht. "Die Verzögerung hat sich zwar bereits angedeutet, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt", sagte ein Händler. Neben dem "FTD"-Bericht belastete aber auch eine Herunterstufung durch die Analysten der Credit Suisse die Aktien. Die Experten setzten die Papiere auf "Neutral" von "Outperform" und begründeten dies unter anderem mit den Unsicherheiten rund um den Verkauf der Stahlwerke in Übersee.

Auf der Gewinnerseite standen Lufthansa hoch im Kurs: Die Aktien der Fluggesellschaft stiegen um drei Prozent auf 12,96 Euro und markierten damit ein Jahreshoch. Seit Mittwoch haben die Papiere acht Prozent zugelegt. Eine Reihe von Analysten hatte sich zuletzt positiv zur Lufthansa geäußert. Am Montag setzte die Espirito Santo Investment Bank die Aktien auf "Buy" von "Neutral" und erhöhte das Kursziel auf 19 von zehn Euro. Die Analysten erklärten, sie gingen davon aus, dass die Airline auf Sparkurs bleiben werde.

Im MDax standen die TUI-Aktien mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 7,62 Euro an der Spitze. Der Reiseveranstalter will in der Rendite die Nummer eins werden in Deutschland, wie TUI-Deutschland-Chef Christian Clemens der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Wochenende sagte.