Geldspritzen für Griechenland beleben Märkte nur kurz

Dienstag, 27. November 2012, 18:32 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die vorläufige Abwendung einer Pleite Griechenlands hat die Finanzmärkte am Dienstag kalt gelassen.

Der Dax schloss zwar 0,6 Prozent fester bei 7332,33 Zählern, die Umsätze blieben mit 2,2 Milliarden Euro aber erneut mau. Der EuroStoxx50 gab seine Gewinne ab und beendete den Tag bei 2453 Punkten fast unverändert. Am Devisenmarkt büßte der Euro mehr als einen halben US-Cent ein. Viele Anleger hätten die Einigung der Euro-Finanzminister auf die Finanzhilfen für Athen bereits vorher eingepreist, sagten Händler. "Niemand hat ernsthaft geglaubt, dass Griechenland fallen gelassen wird", erklärte einer von ihnen.

In New York notierte der Dow-Jones-Index der Standardwerte zum Handelsschluss in Europa 0,1 Prozent niedriger bei 12.950 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 lag fast unverändert bei 1406 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte 0,1 Prozent auf 2978 Stellen zu. Die Zurückhaltung an der Wall Street begründeten Börsianer vor allem mit der Furcht vor der sogenannten Fiskalklippe in den USA. Bislang kommt die Suche nach einem Kompromiss im Haushaltsstreit nur schleppend voran. Demokraten und Republikaner wollen diese Woche einen neuen Anlauf starten. Auch die jüngsten US-Konjunkturdaten konnten die Investoren nicht aus der Deckung locken: Die Auftragseingänge für langlebige Güter blieben im Oktober stabil, die Stimmung der US-Konsumenten war im November so gut wie seit Februar 2008 nicht mehr.

GRIECHENLAND BEKOMMT BIS ZU 43,7 MILLIARDEN EURO

Bei Erfüllung von Spar- und Reformvorgaben bekommt Griechenland von seinen internationalen Geldgebern schrittweise nun bis zu 43,7 Milliarden Euro ausgezahlt. Um die Schulden des Landes langfristig zu senken, ist zudem ein Maßnahmenpaket geplant, das unter anderem den Rückkauf griechischer Staatsanleihen sowie niedrigere Zinsen und längere Laufzeiten bei den Hilfskrediten vorsieht. Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann bleibt jedoch ungewiss, ob Griechenland seine Finanzsituation tatsächlich auf diese Weise nachhaltig verbessern kann oder es sich letztlich doch nur um einen Schuldenschnitt auf Raten handelt.

Der Euro stieg in Reaktion auf die Einigung zunächst auf ein Ein-Monats-Hoch von 1,3009 Dollar. Im Tagesverlauf bröckelten die Gewinne jedoch wieder ab und am späten Nachmittag lag die Gemeinschaftswährung bei nur noch 1,2940 Dollar. Der Bund-Future fiel um 29 Ticks auf 142,14 Zähler.

Für viele Analysten war klar, dass auch mit den Rettungsgeldern an Griechenland die Probleme in der Euro-Zone noch lange nicht gelöst sind. "Die Wirtschaft ist immer noch in der Rezession und viele Staaten werden ihre Haushaltsziele verfehlen", heißt es in einem Kommentar der Berenberg Bank. "Dies wird wohl neue Sparmaßnahmen nach sich ziehen, auf die Investoren allergisch reagieren könnten."

Auch am griechischen Finanzmarkt währte die Erleichterung nur kurz. Der Athener Leitindex, der zunächst um bis zu 1,3 Prozent auf ein Vier-Wochen-Hoch gestiegen war, beendete den Tag nach einem wechselvollen Handel mit einem Aufschlag von 0,3 Prozent. Die Ankündigung eines Rückkaufs eigener Anleihen durch Griechenland belastete zudem die Kurse der griechischen Banken. Der Bankenindex brach 9,8 Prozent ein. "Wir haben etwas Luft zum Atmen bekommen - zumindest für einige Zeit", erklärte Takis Zamanis, Chefhändler bei Beta Securities. Auf der anderen Seite sei fraglich, wie die Konditionen für den Rückkauf gestaltet würden. "Es sieht so aus, als wären die Banken nicht besser dran", fügte Zamanis hinzu.

Einzelheiten über den Rückkauf sind noch unklar. Aus Verhandlungskreisen verlautete, es werde erwogen, Besitzern für jeden Euro ihrer Forderungen 35 Cent anzubieten. Das entspricht in etwa dem aktuellen Kurs der zehnjährigen Anleihen. Börsianer vermuten, dass vor allem inländische Anleger wie Banken sowie eventuell auch Hedgefonds die Hellas-Papiere noch in ihren Portfolios halten.

FINANZWERTE LEGEN ZU

Europaweit im Fokus standen die Banken- und Versicherungswerte: Die europäischen Branchenindizes zogen um 0,6 beziehungsweise 0,3 Prozent an. Hierzulande gehörten Deutsche Bank und Commerzbank mit Aufschlägen von 2,3 und 1,7 Prozent zu den größten Gewinnern. Allianz schlossen 0,4 Prozent im Plus. "Allein die Tatsache, dass Griechenland wieder geholfen wird, hilft den Werten", sagte ein Händler. "Die Botschaft ist, wenn denen geholfen wird, dann wird auch den anderen geholfen und das sind gute Nachrichten für die Banken und Versicherer, die noch etliche Papiere aus Italien oder Spanien in ihren Depots liegen haben."