Wall Street schauert's vor der Fiskalklippe

Mittwoch, 28. November 2012, 08:07 Uhr
 

New York (Reuters) - Der US-Haushaltsstreit hat die Wall Street voll im Griff. Selbst die Einigung auf neue Griechenland-Hilfen und ermutigende US-Konjunkturdaten konnten die Anleger am Dienstag nicht aus der Reserve locken.

Vorsicht lautete die Devise, denn die Börsianer warten auf weitere Hinweise, ob die Politik die sogenannte Fiskalklippe (fiscal cliff) umschiffen kann. Regierung und Opposition wollen in dieser Woche einen neuen Anlauf starten, um ihre scharfen Differenzen zu überwinden. Sollte dies nicht gelingen, greifen zum Jahreswechsel automatische Steuererhöhungen und Ausgabekürzungen, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten.

"Es ist, als ob es derzeit nichts anderes gibt als die Fiskalklippe", sagte Investmentstratege Jack DeGan von Harbor Advisory Corp. "Es ist ökonomisch und politisch ein zu großes Thema, als dass die Investoren es einfach ignorieren können." Auch starke Wirtschaftsdaten traten in den Hintergrund. So stieg die Stimmung der US-Verbraucher auf den höchsten Stand seit Februar 2008, wie eine Erhebung des Forschungsinstituts Conference Board zeigt. Eine andere Statistik deutete auf ein Anziehen der Firmeninvestitionen hin. "Es ist schwierig für die Märkte, sich derzeit an den Fundamentaldaten zu orientieren. Selbst wenn sie es tun, schalten sie ganz schnell zurück und werden wieder vorsichtig", sagte DeGan.

ÜBERNAHME IM FOKUS

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,7 Prozent tiefer mit 12.878 Punkten. Das Börsenbarometer pendelte im Handelsverlauf zwischen 12.868 und 12.980 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,5 Prozent auf fast 1399 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 0,3 Prozent ein auf knapp 2968 Stellen. In Frankfurt schloss der Dax gestützt von den neuen Griechenland-Hilfen 0,6 Prozent fester.

In New York stand eine Übernahme im Fokus. ConAgra Foods erwirbt den Lebensmittelhersteller Ralcorp für 6,8 Milliarden Dollar. Die ConAgra-Aktie kletterte 4,7 Prozent, Ralcorp-Anteile schossen über 26 Prozent in die Höhe.

Der Kurs des Industrieglasherstellers Corning kletterte um knapp sieben Prozent. Das Unternehmen stellt spezielles Glas her, das in Smartphones und Tablets benutzt wird, und erwartet in diesem Bereich fürs laufende Jahr einen Milliardenumsatz.

An der New Yorker Börse wechselten rund 680 Millionen Aktien den Besitzer. 1328 Werte legten zu, 1675 gaben nach und 113 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,75 Milliarden Aktien 1112 im Plus, 1341 im Minus und 105 unverändert.