US-Haushaltsstreit verdirbt Dax-Anlegern die Laune

Mittwoch, 28. November 2012, 11:37 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Einen Tag nach der Einigung auf weitere Finanzhilfen für Griechenland ist am deutschen Aktienmarkt Ernüchterung eingekehrt.

Der Dax verlor am Mittwoch 0,2 Prozent auf 7320 Zähler. Am Dienstag hatte die vorläufige Abwendung einer Pleite Athens noch für ein Plus von 0,6 Prozent gesorgt. "Es gibt weiter ausreichend Gründe, sich als Investor zurückzuhalten. Einer davon ist die Furcht vor einer Eskalation des US-Haushaltsstreits", sagte ein Börsianer.

Der Mehrheitsführer im US-Senat, Harry Reid, hatte am Dienstag nur von "wenig Fortschritt" in den Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern gesprochen. Sollten sich die Parteien nicht bald einigen, greifen zum Jahreswechsel automatische Steuererhöhungen und Ausgabekürzungen, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten.

Einen Blick in den aktuellen Zustand der Gesamtwirtschaft liefert die US-Notenbank am Abend. Das "Beige Book" der Fed dürfte auf die anhaltend moderate Wirtschaftsentwicklung verweisen, wobei insbesondere die Konsumnachfrage, aber auch die Bautätigkeit stützend wirken sollten, prognostizierte Helaba-Analyst Christian Schmidt. Mit einem schwachen Unterton sei dagegen bei der Investitionsnachfrage zu rechnen.

Marktbeobachter befürchten, dass viele Unternehmen die sich hinziehenden Haushaltsverhandlungen zunehmend mit einer Zurückhaltung ihrer Investitionen und Bestellungen quittieren werden.

GEWINNER VON GESTERN, SIND VERLIERER VON HEUTE

Zu den Verlierern im Dax zählten die Finanzwerte, die wegen des positiven Ausgangs der Griechenland-Verhandlungen zuletzt an Wert gewonnen hatten. Deutsche Bank und Commerzbank gaben um 2,1 und 1,5 Prozent nach. Die griechischen Finanzwerte setzten ihre Talfahrt fort, der Branchenindex brach um 9,1 Prozent ein. Die Banken fürchten, dass der geplante Rückkauf von Altanleihen durch den griechischen Staat für sie in jedem Fall Verluste mit sich bringen wird. Der Rückkauf ist Teil des von den Euro-Finanzministern ausgehandelten Maßnahmenpakets, mit dem der Schuldenstand Athens reduziert werden soll.

Getrennt haben sich die Anleger auch von ThyssenKrupp, die sich um 1,2 Prozent verbilligten. Spekulationen über einen zweistelligen Milliarden-Verlust beim Verkauf der Stahlwerke in Übersee belasteten die Papiere. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, dass der Konzern bei dem angestrebten Verkauf intern verschiedene Szenarien durchspiele: mit Erlösen zwischen ein bis vier Milliarden Euro. Thyssen könnte damit im schlimmsten Fall bis zu elf Milliarden Euro verlieren, denn zwölf Milliarden Euro hätten die Stahlwerke in den USA und Brasilien bislang gekostet, hieß es in dem Artikel.

"Der Konzern hatte anfangs mit wenigstens sieben Milliarden Euro Erlös kalkuliert, Analysten bezifferten den Wert auf drei bis vier Milliarden Euro und jetzt sind es im schlimmsten Fall nur eine Milliarde - das sind auf jeden Fall schlechte Nachrichten für die Thyssen-Aktien", sagte ein Händler. "Vermutlich werden die Papiere für Investoren erst dann wieder interessant, wenn der Deal durch ist."

HANIEL MACHT BEI CELESIO KASSE

Unter Druck standen auch die Papiere von Celesio und Metro. Der neue Haniel-Chef Stephan Gemkow hat mit seinen Plänen zum Schuldenabbau Ernst gemacht und durch den Verkauf von Celesio-Aktien rund 100 Millionen Euro eingenommen. Innerhalb der nächsten 18 Monate will Gemkow auch den Verkauf von Metro-Aktien angehen. Metro verloren im MDax 4,2 Prozent, Celesio gaben um drei Prozent nach. "Das Damoklesschwert über den Kursen der Metro- und Celesio-Aktien hat zugeschlagen", schrieb LBBW-Analystin Barbara Ambrus. Positiv wertete die Expertin allerdings, dass die Nachfrage nach den Celesio-Titel so groß gewesen sei. Das dürfte die Titel mittelfristig stützen. Haniel hatte bei dem Verkauf der Aktien mehr Geld eingenommen als gedacht. Die Nachfrage hatte das Angebot um das Fünffache übertroffen.