US-Haushaltsstreit verdrießt Europas Aktienanleger

Mittwoch, 28. November 2012, 15:20 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Streit um den US-Haushalt macht auch den Aktienanlegern in Europa zunehmend Sorgen.

Die Märkte befürchten, dass die weltgrößte Volkswirtschaft ohne einen Kompromiss zwischen Republikanern und Demokraten in die Rezession stürzt. Im US-Kongress zeichnete sich weiter keine Einigung ab - ohne sie kommt es zum Jahreswechsel automatisch zu Steuererhöhungen und Ausgabekürzungen. Einen Tag nach der Einigung auf weitere Finanzhilfen für Griechenland traten die Börsianer auf beiden Seiten des Atlantiks deshalb auf die Bremse.

Der Dax verlor am Mittwochnachmittag 0,5 Prozent auf 7296 Zähler. Am Dienstag hatte die vorläufige Abwendung einer Pleite Griechenlands noch für ein Plus von 0,6 Prozent gesorgt. "Es gibt weiter ausreichend Gründe, sich als Investor zurückzuhalten. Einer davon ist die Furcht vor einer Eskalation des US-Haushaltsstreits", sagte ein Börsianer. Der Mehrheitsführer im US-Senat, Harry Reid, hatte am Dienstag nur von "wenig Fortschritt" in den Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern gesprochen. An den US-Börsen zeichnete sich ein mauer Handelsstart ab, nachdem die Kurse bereits am Vortag nachgegeben hatten. Der EuroStoxx50 verlor 0,6 Prozent auf 2526 Zähler.

Börsianer nannten als Unsicherheitsfaktor zudem die drohende Staatspleite Argentiniens. Weil die Regierung in Buenos Aires einem US-Gerichtsurteil zufolge deutlich mehr Geld an Investoren zurückzahlen muss als geplant, sieht die Rating-Agentur Fitch sie nun vor dem Zahlungsausfall. Es gebe eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass das Land seine Schulden nicht bedienen könne, erklärten die Bonitätsprüfer am Dienstagabend und senkten ihre Bonitätsnote drastisch um fünf Stufen.

GEWINNER VON GESTERN SIND VERLIERER VON HEUTE

Zu den Verlierern im Dax zählten die Finanzwerte, die wegen des positiven Ausgangs der Griechenland-Verhandlungen zuletzt an Wert gewonnen hatten. Deutsche Bank und Commerzbank gaben 2,9 und 1,8 Prozent nach. Die griechischen Finanzwerte setzten ihre Talfahrt fort, der Branchenindex brach um bis zu 9,3 Prozent ein. Die Banken fürchten, dass der geplante Rückkauf von Altanleihen durch den griechischen Staat für sie in jedem Fall Verluste mit sich bringen wird. Der Rückkauf ist Teil des von den Euro-Finanzministern ausgehandelten Maßnahmenpakets, mit dem der Schuldenstand Athens reduziert werden soll.

In Wien gerieten Raiffeisen Bank International unter die Räder. Sowohl im österreichischen ATX als auch im europäischen Branchenindex hielten die Anteilsscheine des Instituts mit einem Abschlag von mehr als fünf Prozent die rote Laterne. Durch die Schieflage von Unternehmen in Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei muss die Bank in den kommenden Monaten wohl höhere Vorsorgen für faule Kredite bilden.

Die Anleger trennten sich auch von ThyssenKrupp-Aktien, die sich um 1,5 Prozent verbilligten. Spekulationen, das Unternehmen mache beim Verkauf der Übersee-Stahlwerke einen zweistelligen Milliarden-Verlust, belasteten die Papiere.

HANIEL MACHT BEI CELESIO KASSE

Unter Druck standen auch die Papiere von Celesio und Metro. Der neue Haniel-Chef Stephan Gemkow macht mit seinen Plänen zum Schuldenabbau Ernst. Haniel nahm durch den Verkauf von Celesio-Aktien rund 100 Millionen Euro ein. Innerhalb der nächsten 18 Monate will Gemkow auch den Verkauf von Metro-Aktien angehen. Metro verloren im MDax 3,3 Prozent, Celesio gaben 2,3 Prozent nach. "Das Damoklesschwert über den Kursen der Metro- und Celesio-Aktien hat zugeschlagen", schrieb LBBW-Analystin Barbara Ambrus. Positiv wertete die Expertin allerdings, dass die Nachfrage nach den Celesio-Titeln groß gewesen sei. Das dürfte die Titel mittelfristig stützen. Haniel hatte bei dem Verkauf der Aktien mehr Geld eingenommen als gedacht. Die Nachfrage hatte das Angebot um das Fünffache übertroffen.