Euro nimmt Talfahrt wieder auf - Aber Anleihen gefragt

Mittwoch, 28. November 2012, 15:53 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Anleger haben am Mittwoch dem Euro wieder den Rücken gekehrt, aber zugleich bei den Staatsanleihen zugegriffen - und zwar nicht nur den deutschen.

Beim Euro überwog die Ernüchterung, nachdem Einzelheiten zum Rettungspaket für Griechenland noch fehlten. Die Gemeinschaftswährung rutschte auf 1,2890 Dollar von 1,2944 Dollar am Vorabend in New York. "Den Anlegern wird klar, dass wir in Sachen Griechenland nur ein paar Monate Zeit gewonnen haben, von einer nachhaltigen Lösung der Probleme aber noch so weit weg sind wie zuvor", erklärte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. "Das war am Montag noch kein Befreiungsschlag."

Zum Wochenanfang hatten sich die Euro-Finanzminister und der Internationale Währungsfonds auf einen Rettungsplan für Griechenland geeinigt, der die Gesamtverschuldung des Landes von derzeit gut 170 Prozent der Wirtschaftsleistung nachhaltig auf unter 110 Prozent bis 2022 senken solle. Viele Analysten zweifeln, dass das zu schaffen ist. Herzstück des Rettungspaketes ist der Anleihe-Rückkauf durch Griechenland. Sein Erfolg wird laut Analysten davon abhängen, wie viele private Gläubiger auf das Angebot eingehen werden. Griechenland gab am Mittwoch bekannt, keine konkreten Ziele für das Programm ausgeben zu wollen.

Am Rentenmarkt waren die Anleger dagegen etwas risikofreudiger. Sie kauften nicht nur die als sicher geltenden deutschen Bundesanleihen, sondern auch spanische und italienische Papiere. Entsprechend gaben deren Renditen spürbar nach: die der zehnjährigen italienischen Papiere rutschte auf 4,66 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit dem Sommer 2011. Auch die Rendite der entsprechenden spanischen Anleihe rauschte auf 5,43 von 5,54 Prozent am Vorabend nach unten. Die deutschen zehnjährigen rentierten mit 1,36 Prozent ebenfalls elf Basispunkte weniger als am Vorabend.

Weniger stark stiegen die Kurse der US-Staatsanleihen. Da zugleich an der Wall Street die Aktienkurse nachgaben, verwiesen einige Börsianer auf die Angst der Anleger vor einer Rezession in den USA. Denn sollten sich Republikaner und Demokraten nicht bis Jahresende auf eine gemeinsame Haushaltspolitik einigen, treten massive Ausgabenkürzungen und Steuersenkungen gleichzeitig in Kraft. Das könnte die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen, fürchten viele Anleger.