Dax-Anleger setzen auf Beilegung des US-Haushaltstreits

Mittwoch, 28. November 2012, 17:58 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Hoffnung auf eine Beilegung des Streits um den US-Haushalt hat den europäischen Aktienmärkten am Mittwochnachmittag neues Leben eingeflößt.

Der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, John Boehner, signalisierte Kompromissmöglichkeiten auf der Suche nach Maßnahmen, die automatische Ausgabekürzungen und damit eine drohende Rezession in den USA verhindern sollen. Der Dax machte nach den Aussagen Boehners seine Abschläge von bis zu 0,9 Prozent wett und schloss 0,2 Prozent im Plus bei 7343,41 Zählern. Der EuroStoxx50 erholte sich ebenfalls und beendete den Tag 0,2 Prozent fester bei 2549 Punkten. Auch die US-Börsen schüttelten ihre anfänglichen Verluste ab. Der Euro kletterte wieder über die Marke von 1,29 Dollar.

Boehner wiederholte zwar seine Position, er sei gegen eine Anhebung von Einkommensteuern. Er äußerte aber Bereitschaft, grundsätzlich über das Thema Staatseinnahmen zu sprechen. Voraussetzung sei allerdings, dass zugleich auch spürbare Ausgabenkürzungen vereinbart werden. Boehner sagte, er sei optimistisch, dass eine Einigung mit den Demokraten von US-Präsident Barack Obama erzielt und eine Krise verhindert werde. So etwas wollten die Märkte hören, sagte ein Börsianer in Frankfurt.

Zuvor hatte die erneut drohende Staatspleite Argentiniens für Unsicherheit gesorgt. Weil die Regierung in Buenos Aires einem US-Gerichtsurteil zufolge deutlich mehr Geld an Investoren zurückzahlen muss als geplant, sieht die Rating-Agentur Fitch sie nun vor dem Zahlungsausfall. Es gebe eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass das Land seine Schulden nicht bedienen könne, erklärten die Bonitätsprüfer am Dienstagabend und senkten ihre Bonitätsnote drastisch um fünf Stufen. Die Anleger in Buenos Aires beeindruckte das indes kaum: Der argentinische Leitindex verlor lediglich 0,1 Prozent.

GEWINNER VON GESTERN SIND VERLIERER VON HEUTE

Zu den Verlierern im Dax zählten die Finanzwerte, die wegen des positiven Ausgangs der Griechenland-Verhandlungen zuletzt an Wert gewonnen hatten. Deutsche Bank und Commerzbank gaben 1,9 und 1,3 Prozent nach. Die griechischen Finanzwerte setzten ihre Talfahrt fort, der Branchenindex brach um 8,2 Prozent ein. Die Banken fürchten, dass der geplante Rückkauf von Altanleihen durch den griechischen Staat für sie in jedem Fall Verluste mit sich bringen wird. Der Rückkauf ist Teil des von den Euro-Finanzministern ausgehandelten Maßnahmenpakets, mit dem der Schuldenstand Athens reduziert werden soll.

In Wien gerieten Raiffeisen Bank International unter die Räder. Im österreichischen ATX hielten die Anteilsscheine des Instituts mit einem Abschlag von fünf Prozent die rote Laterne, im europäischen Branchenindex gehörten sie zu den größten Verlierern. Durch die Schieflage von Unternehmen in Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei muss die Bank in den kommenden Monaten wohl höhere Vorsorgen für faule Kredite bilden.

Die Anleger trennten sich auch von ThyssenKrupp-Aktien, die sich um 2,5 Prozent verbilligten und damit am Dax-Ende standen. Spekulationen, das Unternehmen mache beim Verkauf der Übersee-Stahlwerke einen zweistelligen Milliarden-Verlust, belasteten die Papiere.

HANIEL MACHT BEI CELESIO KASSE

Unter Druck standen auch die Papiere von Celesio und Metro. Großaktionär Haniel macht mit seinen Plänen zum Schuldenabbau Ernst und nahm durch den Verkauf von Celesio-Aktien rund 100 Millionen Euro ein. Innerhalb der nächsten 18 Monate will Haniel auch Metro-Aktien verkaufen. Metro verloren im MDax 3,7 Prozent, Celesio gaben 2,6 Prozent nach. "Das Damoklesschwert über den Kursen der Metro- und Celesio-Aktien hat zugeschlagen", schrieb LBBW-Analystin Barbara Ambrus. Positiv wertete die Expertin allerdings, dass die Nachfrage nach den Celesio-Titeln groß gewesen sei. Das dürfte die Titel mittelfristig stützen. Haniel hatte bei dem Verkauf der Aktien mehr Geld eingenommen als gedacht. Die Nachfrage hatte das Angebot um das Fünffache übertroffen.