Dax-Anleger setzen auf Lösung des US-Haushaltsstreits

Donnerstag, 29. November 2012, 11:17 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Optimismus kann ansteckend sein - zumindest an der Börse.

Mit ihrer Zuversicht für eine Lösung des Haushaltsstreits in den USA haben Präsident Barack Obama und sein wichtigster Republikanische Gegenspieler John Boehner jedenfalls den Investoren Mut gemacht. "Offenbar nehmen jetzt alle an, dass es rechtzeitig bis zum Jahresende eine Lösung gibt", erklärte Ian Williams, Aktienstratege bei Peel Hunt, der aber dennoch zur Vorsicht mahnte. Von Euphorie könne keine Rede sein, sagten auch Händler in Frankfurt.

Die Kursgewinne beliefen sich bei den großen europäischen Aktienindizes meist auf etwa ein Prozent. Der Dax kletterte um 0,8 Prozent auf 7402 Zähler und näherte sich damit seinem Jahreshoch von 7478 Punkten, das er am 21. September aufgestellt hatte. Der EuroStoxx lag ein Prozent höher bei 2575 Zählern. In Mailand und Madrid atmeten die Anleger noch hörbarer durch: die Leitindizes an den beiden Börsen stiegen um 1,7 beziehungsweise 1,6 Prozent. Allerdings liegen beide Indizes noch weit unter ihren Jahreshöchstständen.

Die neue Zuversicht ließ einige Anleger auch wieder bei den Staatsanleihen Spaniens und Italiens zuschlagen. So fielen die Renditen für zehnjährige italienische Anleihen auf 4,5 Prozent und lagen damit so niedrig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Die Rendite der entsprechenden spanischen Papiere notierte mit 5,3 Prozent so niedrig wie seit dem Frühjahr nicht mehr. Auch am Devisenmarkt ging die Risikoscheu zurück: Der Euro notierte mit 1,2985 Dollar höher als am Vorabend. Den sicheren Dollar-Hafen mochten offensichtlich viele Anleger nicht mehr anfahren, obwohl die US-Wirtschaft ja als erste von einer Einigung profitieren würden.

Obama hatte am Mittwochabend die Hoffnung geäußert, dass sich seine Demokraten bis Weihnachten mit den Republikanern auf ein Rahmenabkommen zur künftigen Haushaltspolitik einigen könnten. Zuvor hatte schon Parlamentspräsident Boehner Entgegenkommen signalisiert. Sollten die Kontrahenten es nicht schaffen, sich bis zum Jahreswechsel zu einigen, treten zeitgleich Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in Kraft, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten. Da die Fronten zuletzt sehr verhärtet schienen, schlossen einige Börsianer ein solches Szenario bislang nicht aus. Doch nach den Signalen von Boehner und Obama hoffen viele, dass sich in Washington auf beiden Seiten doch noch die Kompromissbereiten durchsetzen und sowohl die Steuererhöhungen als auch die Ausgabenkürzungen moderater ausfallen.

Nun könnten auch wieder US-Konjunkturdaten in den Fokus rücken. Unter anderem werden am Nachmittag die zweite Schätzung für das US-Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal veröffentlicht. Von Reuters befragte Analysten rechnen damit, dass die US-Wirtschaft um 2,8 Prozent gewachsen ist. Zudem steht auch der Wochenbericht vom Arbeitsmarkt an.

BANKEN- UND KONJUNKTURWERTE IM AUFWIND

Im Dax zählten Commerzbank und Deutsche Bank mit Kursgewinnen von 2,7 beziehungsweise 1,3 Prozent zu den größten Gewinnern. Auch europaweit zogen die Finanztitel an. Selbst die zuletzt arg gebeutelten griechischen Institute machten Boden gut und legten fünf Prozent zu. Die Banken waren zuletzt vor allem angesichts des geplanten Anleihe-Rückkaufs durch den griechischen Staat in die Bredouille geraten. Denn viele Anleger fürchten, dass die Banken damit Verluste realisieren werden.

Daneben profitierten die Aktien von Konjunktur abhängigen Unternehmen von der Zuversicht der Anleger. Vor allem die Autowerte fuhren vorne weg: BMW stiegen um 1,7 Prozent, VW um 1,6 Prozent. Auch die Titel von ThyssenKrupp und HeidelbergCement legten 1,5 Prozent zu.

Ansonsten standen einige Werte aus dem SDax im Fokus. Besonders gut kam bei den Anlegern die Ölbohrfirma CAToil mit ihrem Zwischenbericht an. Die Aktien kletterten um drei Prozent. Das Unternehmen will nach einem Ergebnisplus in den ersten neun Monaten seine Kapazitäten im kommenden Jahr deutlich ausbauen.