Optimistische Märkte vertrauen auf die USA

Donnerstag, 29. November 2012, 18:15 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Mit ihrer Zuversicht für eine Lösung des Haushaltsstreits haben führende US-Politiker den Börsianern Mut gemacht.

"Offenbar nehmen jetzt alle an, dass es rechtzeitig bis zum Jahresende eine Lösung gibt", erklärte Ian Williams, Aktienstratege bei Peel Hunt, der aber dennoch zur Vorsicht mahnte. Auch die Konjunkturentwicklung in der weltgrößten Volkswirtschaft, die sich im dritten Quartal gegenüber den drei Monaten zuvor verdoppelte, sorgte für gute Stimmung.

Der Dax schloss mit anziehenden Umsätzen von fast drei Milliarden Euro 0,8 Prozent fester bei 7400 Zählern. Der Leitindex näherte sich damit seinem Jahreshoch von 7478 Punkten, das er am 21. September aufgestellt hatte. Der EuroStoxx legte 1,3 Prozent auf 2579 Zählern zu. An der Wall Street notierte der Dow-Jones-Index der Standardwerte zum europäischen Handelsschluss 0,3 Prozent höher bei 13.025 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 0,5 Prozent auf 1416 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,6 Prozent auf 3009 Punkte.

Abzulesen war die bessere Stimmung auch am Volatilitätsindex VStoxx, der auf bis zu 16,88 Zähler fiel. Das Barometer, das auf den Kauf- und Verkaufsoptionen für den EuroStoxx50 basiert, war zuletzt im Dezember 2007 vor Beginn der US-Immobilienkrise auf einem niedrigeren Niveau gewesen.

Die neue Zuversicht ließ einige Anleger zudem wieder bei den Staatsanleihen Spaniens und Italiens zuschlagen. So fielen die Renditen für zehnjährige italienische Anleihen auf 4,57 Prozent und lagen damit so niedrig wie seit Februar 2011 nicht mehr. Die Rendite der entsprechenden spanischen Papiere lag bei 5,35 Prozent.

US-Präsident Barack Obama hatte dagegen am Mittwochabend die Hoffnung geäußert, dass sich seine Demokraten bis Weihnachten mit den Republikanern auf ein Rahmenabkommen zur künftigen Haushaltspolitik einigen könnten. Zuvor hatte schon Parlamentspräsident Boehner Entgegenkommen signalisiert. Am Donnerstag sagte Boehner allerdings kurz nach Börsenschluss in Europa, dass es in den vergangenen zwei Wochen keine substanziellen Fortschritte in den Gesprächen gegeben habe. Der Euro gab daraufhin seine Gewinne ab und notierte bei 1,2950 Dollar auf Vortagesniveau. Sollten die Kontrahenten es nicht schaffen, sich bis zum Jahreswechsel zu einigen, treten zeitgleich Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in Kraft, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten.

Wenig unmittelbare Reaktionen riefen am Nachmittag zwar die US-Konjunkturdaten hervor, sie bestätigten nach Meinung von Analysten aber das Bild einer wieder anziehenden Wirtschaftsleistung. Das US-Bruttoinlandsprodukt lag nach endgültigen Zahlen im dritten Quartal mit 2,7 Prozent knapp unter den Erwartungen, wuchs damit jedoch doppelt so schnell wie im vorangegangenen Vierteljahr. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen in der Vorwoche mit 393.000 etwas höher aus als von Experten prognostiziert.

BANKEN- UND KONJUNKTURWERTE IM AUFWIND

Im Dax zählten Commerzbank und Deutsche Bank mit Kursgewinnen von 2,6 beziehungsweise 1,6 Prozent zu den größten Gewinnern. Auch europaweit zogen die Finanztitel an, der Branchenindex legte 1,8 Prozent zu.

Daneben profitierten die Aktien konjunkturabhängiger Unternehmen von der Zuversicht der Anleger. Volkswagen-Titel stiegen sogar mit bis zu 2,1 Prozent auf ein Rekordhoch von 167 Euro, nachdem die Wolfsburger den Patentstreit mit dem chinesischen Partner FAW beilegen konnten. FAW und VW wollen nun die eigentlich 2016 auslaufende Kooperation um 25 Jahre verlängern. Die VW-Anteilsscheine schlossen 1,3 Prozent fester. Auch andere Werte aus der Autoindustrie waren im Aufwind: BMW verteuerten sich um 1,3 Prozent, Daimler um 1,4 Prozent. Im MDax standen die Papiere des Zulieferers Leoni mit einem Aufschlag von 4,7 Prozent bei 26,56 Euro an der Spitze.

In London ragten die Anteilsscheine von Rio Tinto heraus, die mit sechs Prozent zu den größten Gewinnern im "Footsie"-Leitindex zählten. Der Bergbauriese legt für zwei Jahre ein Sparprogramm im Volumen von sieben Milliarden Dollar auf. Dem anhaltenden Preisverfall bei Eisenerz, einem wichtigen Rohstoff für die Stahlgewinnung, entgegnet Rio Tinto anders als die Konkurrenz mit einem Ausbau seiner Produktion und mildert somit den Umsatzrückgang ab.

 
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange November 29, 2012. REUTERS/Remote/Lizza David (GERMANY - Tags: BUSINESS)