US-Haushalts-Hick-Hack macht Aktien-Anleger vorsichtig

Freitag, 30. November 2012, 13:51 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Widersprüchliche Signale zur Entwicklung des US-Haushaltsstreits haben den Aufwärtstrend an Europas Aktienmärkten zum Wochenausklang etwas abgebremst.

Der Dax stieg am Freitagnachmittag um 0,4 Prozent auf 7434 Punkte und näherte sich damit weiter zögerlich seinem Jahreshoch von 7478 Zählern. Der EuroStoxx50 legte um 0,3 Prozent auf 2590 Punkte zu. An den US-Börsen zeichnete sich ein festerer Handelsstart ab.

"Im Mittelpunkt des Interesses stehen weiterhin die sich zwischen Demokraten und Republikanern mühsam gestaltenden Verhandlungen um den US-Haushalt", sagte Aktienmarkt-Experte Gregor Kuhn vom Brokerhaus IG Markets. "Zuversichtliche Äußerungen von den politischen Verhandlungsführern manifestieren sich umgehend in Aufschlägen, relativierende bis skeptische Einschätzungen führen zu entsprechenden Rücksetzern an den Märkten." Das sei eine politische Börse "par excellence".

Während Politiker am Mittwoch noch positive Signale ausgesandt hatten, warfen sich Republikaner und Demokraten am Donnerstag gegenseitig vor, keine ernsthaften Vorschläge für eine Einigung vorzulegen. In den USA laufen zum Jahreswechsel Steuererleichterungen aus und es stehen automatische Ausgabekürzungen an, sofern sich Präsident und Kongress nicht auf einen neuen Haushalt einigen. Nach Ansicht der Experten könnte die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte "Fiskalklippe" in eine Rezession stürzen. Die meisten Analysten gehen aber nicht davon aus, dass es soweit kommen wird.

AUF UND AB BEI METRO-AKTIE NACH REAL-VERKAUF IN OSTEUROPA

Dax-Spitzenreiter waren HeidelbergCement nach einer Hochstufung durch Morgan Stanley. Die Aktien des Bauindustrie-Zulieferers stiegen um 2,7 Prozent auf 41,98 Euro. Die unterdurchschnittliche Kursentwicklung der vergangenen Monate sei nicht gerechtfertigt, schrieb Analystin Alejandra Pereda in einem Kommentar. Schließlich sei das Unternehmen in attraktiven Märkten Asiens und Afrikas sowie in den USA engagiert. Sie stufte daher die Aktie auf "Overweight" von "Equal-Weight" hoch.

Den HeidelbergCement-Konkurrenten Buzzi Unichem setzte Pereda dagegen auf "Underweight" von "Equal-Weight" herunter. Dem italienischen Konzern machten fallende Zement-Preise zu schaffen. Buzzi gaben an der Mailänder Börse um bis zu 3,1 Prozent auf 9,23 Euro.

Am Dax-Ende fanden sich die Papiere von ThyssenKrupp mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 15,71 Euro wieder. Mitarbeiter der kleinen Tochtergesellschaft GfT Bautechnik sollen in Osteuropa unsauber gearbeitet haben. Wegen des Verdachts auf Untreue schaltete Thyssen deshalb die Staatsanwaltschaft ein und entließ die verdächtigen Mitarbeiter. "Es geht hier nicht um den Betrag, der womöglich veruntreut worden ist, sondern darum, dass die Reputation von ThyssenKrupp nicht mehr 1A ist", sagte ein Händler. Das mache sich bei den Kunden und damit auch bei den Anlegern nicht gut.

Eine Berg- und Talfahrt erlebten die Anteilsscheine von Metro. Sie verteuerten sich um bis zu 2,8 Prozent, nachdem der Einzelhandelskonzern den Verkauf des Osteuropageschäfts seiner Supermarktkette Real für 1,1 Milliarden Euro an den französischen Rivalen Auchan bekanntgegeben hatte. Am Nachmittag lagen die Papiere dann nur noch 0,9 Prozent fester bei 21,77 Euro. "Der Verkaufspreis liegt einen Tick über dem, was der Markt erwartet hat, aber deshalb springt niemand vor Freude in die Höhe", sagte ein Händler. Metro habe noch viele Baustellen abzuarbeiten, aber es gebe nun erste Anzeichen dafür, dass Vorstandschef Olaf Koch liefere. "Die Aktie wird sich deshalb in nächster Zeit wohl auf dem aktuell niedrigen Niveau stabilisieren."

Die Aktien von Praktiker sackten im SDax zum Auftakt einer rettenden Kapitalerhöhung auf ein Drei-Monats-Tief ab, erholten sich dann aber und notierten 2,5 Prozent höher bei 1,18 Euro. Die 57,1 Millionen neuen Praktiker-Aktien können in den kommenden beiden Wochen zum Preis von je 1,08 Euro gezeichnet werden.

SAF-Holland bildeten mit minus 4,1 Prozent das SDax-Schlusslicht. Der Lkw-Zulieferer hatte 4,12 Millionen neue Titel zum Preis zu je 5,25 Euro ausgegeben.