Bond-Anleger setzen auf Rendite - Sicherheit ist "out"

Montag, 3. Dezember 2012, 16:08 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Lange war den Anlegern die Sicherheit ihrer Investments wichtiger als der Gewinn.

Dies scheint sich nun zu drehen. Nach Bekanntgabe der Details des Anleihe-Rückkaufprogramms Griechenlands haben die Anleger am Montag jedenfalls spanische und italienische Anleihen im großen Stil gekauft - und dafür die niedrig verzinsten deutschen Bundesanleihen auf den Markt geworfen. Der Mut zum Risiko trieb auch den Euro in die Höhe: In der Spitze legte die Gemeinschaftswährung fast einen US-Cent auf 1,3073 Dollar zu und notierte damit so hoch wie seit gut sechs Wochen nicht mehr.

"Der Markt setzt offenbar darauf, dass Griechenland den Anleihe-Rückkauf erfolgreich hinter sich bringen und damit die Schulden senken wird", erklärte Commerzbank-Devisenanalystin Antje Praefcke. Die Regierung in Athen hatte die Konditionen für den Rückkauf seiner Anleihen höher als erwartet festgelegt. Offenbar versuche Griechenland alles, um den Schuldenrückkauf zu einem Erfolg zu machen, sagte Anlage-Stratege Ricardo Barbieri von der Mizuho Bank.

Griechenland bietet seinen privaten Gläubigern bis zum 7. Dezember je nach Laufzeit 30,2 bis 38,1 Prozent des Nennwertes der jeweiligen Staatsanleihen zum Stichtag am 23. November, die Höchstgebote reichen von 32,2 bis 40,1 Prozent. Börsianer hatten lediglich mit einer Offerte von 20 bis 30 Prozent des Nennwertes gerechnet. Die Regierung in Athen will unter dem Strich die Schulden dadurch um 20 Milliarden Euro senken und eine Vorbedingung für die Freigabe weiterer Hilfskredite erfüllen.

Vor allem die Kurse der griechischen Anleihen zogen kräftig an, was die Renditen über alle Laufzeiten massiv drückte. So sank die Rendite der zehnjährigen griechischen Anleihenauf 14,60 von 16,16 Prozent. Hoch im Kurs standen zudem die Staatsanleihen Spaniens und Italiens. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Papiere fiel bis auf 5,20 von 5,34 Prozent am Freitag. Die Rendite der entsprechenden italienischen Bonds rutschte bis auf 4,38 von 4,50 Prozent ab. Im Gegenzug stiegen die Renditen der entsprechenden deutschen Bundesanleihenauf 1,42 von 1,38 Prozent. Der Bund-Future büßte 43 Ticks auf 142,36 Punkte ein. Als sicherer Hafen profitierten die Bundesanleihen bisher von der Schuldenkrise mehr als alle anderen Euro-Zonen-Bonds.

Spaniens Entscheidung, für seine Banken formell Hilfe aus dem EU-Banken-Rettungsfonds zu beantragen, wurde an den Märkten positiv aufgenommen. "Aber die Reaktion war etwas übertrieben", erklärte ein Händler. Schließlich sei damit gerechnet worden. Zudem zögert Ministerpräsident Mariano Rajoy nach wie vor, den Euro-Rettungsfonds ESM anzuzapfen.

PFUND STERLING PROFITIERT VON KONJUNKTURDATEN

Den Anstieg des Euro führten Händler auch auf technische Faktoren zurück. Bei 1,3030 Dollar seien Kaufsignale ausgelöst worden. Auch seien die Umsätze relativ gering, so dass schon kleinere Orders den Euro in die eine oder andere Richtung schieben könnten.

Erleichterung über den britischen Markit-Einkaufsmanagerindex gab dem Pfund Sterling neue Kraft. Zum Dollar kletterte die britische Währung auf ein Ein-Monats-Hoch von 1,6069 Dollar nach 1,6015 Dollar am Freitagabend. Die Daten hatten gezeigt, dass die britische Industrie langsamer schrumpft als erwartet. So war der Index im November auf 49,1 von revidiert 47,3 Zählern Punkte geklettert. Analysten hatten im Schnitt mit einem Stand von 48,0 Punkten gerechnet. Selbst die höchsten Prognosen lagen mit 48,9 Punkten noch unter dem aktuellen Stand.