Dax geht die Puste aus - Skeptische Blicke gen USA

Dienstag, 4. Dezember 2012, 18:09 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Dem Dax ist kurz vor Handelsschluss am Dienstag die Luft ausgegangen.

Der Leitindex verabschiedete sich unverändert bei 7435 Zählern aus dem Handel. Der EuroStoxx50 hielt sich leicht im Plus und beendete den Tag 0,2 Prozent höher bei 2587 Zählern. Große Themen für Investoren blieben die europäische Schuldenkrise und der US-Haushaltsstreit.

Die Entwicklung in der Euro-Zone wird nach den neuen Hilfszusagen an Griechenland und Spanien sowie jüngsten Erfolgsmeldungen aus Portugal positiv gesehen. Die Verhandlungen in den USA werden dagegen als Unsicherheitsfaktor gewertet, auch wenn viele Anleger auf einen Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern setzen. Zunächst aber hat das Weiße Haus einen Vorschlag der Republikaner abgelehnt, weil diese die Forderung von Präsident Barack Obama nach einer Steuererhöhung für Reiche nicht aufgegriffen haben.

"Ich gehe davon aus, dass es eine Einigung zur Vermeidung des Fiscal Cliff geben wird, aber nicht vor Jahresende", sagte Michel Juvet, der für die Schweizerische Bank Bordier die Investmentstrategie verantwortet. Die Zeit bis dahin könnte noch holprig für die Börse werden, da die Kurse auf jedwede Erfolgs- oder Misserfolgs-Meldung reagieren. "Ich werde zusehen, meine Gewinne zu realisieren, um mir nicht die Performance kaputt zu machen", ist daher Juvets Strategie.

Börsianern zufolge gehen etliche Investoren ähnlich vor: "Die einen haben gut verdient und wollen jetzt kein Risiko mehr eingehen. Von denen schließen immer mehr ihre Bücher", sagte ein Händler. "Andere steigen bei guter Gelegenheit aber noch ein, um von der Wertentwicklung der Börse zu profitieren. Von daher ist das Risiko, dass es noch einmal derb nach unten geht, sehr begrenzt." Der Dax hat seit Jahresbeginn mehr als 25 Prozent gewonnen, beim EuroStoxx50 sind es immerhin mehr als zehn Prozent.

Die Börsen an der Wall Street lagen zum europäischen Handelsschluss im Minus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte büßte 0,1 Prozent ein, die Nasdaq 0,6 Prozent.

BANKWERTE EUROPAWEIT GEFRAGT

Anders als der breite Markt hielten Bankwerte bis zum Handelsschluss ihre Gewinne. Die EU-Finanzminister haben es nicht geschafft, sich auf eine gemeinsame Bankenaufsicht zu einigen. Vor allem Deutschland und Frankreich liegen in ihren Vorstellungen auseinander. Neue Verhandlungen sind für den 12. Dezember angesetzt. Der europäische Branchenindex zog um 0,7 Prozent an. "Wenn man den Mut hat zu spekulieren, muss man bei Finanzwerten dabei sein", sagte ein Londoner Börsianer. Hierzulande gehörten Deutsche Bank und Commerzbank mit Aufschlägen von jeweils 1,5 Prozent zu den größten Gewinnern.

Ganz vorn dabei waren die Aktien der Lufthansa, die sich mit einem Plus von 3,5 Prozent aus dem Handel verabschiedeten. Als einen positiven Aspekt für die Fluglinie nannten Händler die offenbar fortschreitenden Verhandlungen mit Turkish Airlines. Der Vorstandschef der türkischen Fluglinie hat eine Mitteilung über eine Kooperation für Anfang nächsten Jahres in Aussicht gestellt. Händler sprachen zudem von positiven Analystenkommentaren von JP Morgan und Main First.   Fortsetzung...