Euro und spanischen Bonds geht die Puste aus

Mittwoch, 5. Dezember 2012, 15:07 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Dem Euro ist am Mittwoch die Luft ausgegangen.

Die Gemeinschaftswährung rutschte auf 1,3070 Dollar, nachdem sie im frühen Geschäft noch ein Sieben-Wochen-Hoch von 1,3126 Dollar aufgestellt hatte. "Da machen einige Anleger wohl Kasse", sagte ein Börsianer. Auslöser für die Gewinnmitnahmen sei die Auktion spanischer Anleihen gewesen. Zwar konnte die Regierung in Madrid über mehrere Laufzeiten Anleihen zu niedrigeren Renditen verkaufen. Doch nahm sie insgesamt mit 4,25 Milliarden Euro etwas weniger Geld als mit 3,5 bis 4,5 Milliarden Euro geplant ein. Dies löste auch bei den spanischen Staatsanleihen am Sekundärmarkt Gewinnmitnahmen aus.

"Ich würde das aber nicht ganz so negativ sehen, denn die Lage ist für Spanien relativ entspannt", erklärte Commerzbank-Analyst Rainer Guntermann. Schließlich nehme Spanien schon Gelder für 2013 ein. Nick Stamenkovic, Rentenstratege bei Ria Capital Markets in Edingburgh, stimmte zu: "Die Renditen sind immer noch niedriger als bei der letzten Auktion und die Nachfrage ist immer noch ordentlich." Insgesamt sei das beruhigend, fügte er hinzu. Allerdings sah er in einer sinkenden Nachfrage einheimischer Anleger kein gutes Omen. Andere Börsianer sahen das weniger dramatisch. "Die weiter hohe Nachfrage hat ja gezeigt, dass internationale Anleger wieder Vertrauen gefasst und Anleihen gekauft haben", kommentierte ein Händler in Frankfurt. "Das ist doch schon mal was."

Allerdings verwiesen Analysten auch darauf, dass Spanien voraussichtlich im nächsten Jahr viel Geld aufnehmen müsse. An den Märkten wird zudem darauf spekuliert, dass die Regierung in Madrid die Hilfe eines Rettungsfonds in Anspruch nehmen wird.

Die Einigung der Euro-Länder auf weitere Hilfen für Griechenland hatte seit voriger Woche die spanischen und auch italienischen Anleihen bei Anlegern wieder beliebter gemacht. Vor allem die überraschend günstigen Konditionen der Griechen für den Rückkauf ihrer Anleihen hatte zum Wochenanfang zusätzlich für Rückenwind gesorgt. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Titel war seit der Einigung über die Hellas-Hilfen auf 5,26 Prozent von 5,64 Prozent am 23. November gefallen. Am Mittwoch zog sie auf 5,42 Prozent an.

Im Gegenzug waren am Rentenmarkt die als sicher geltenden deutschen Bundesanleihen gefragt. Zudem waren auch französische Staatsanleihen begehrt, da sie eine höhere Rendite als die deutschen Papiere abwerfen. Der Bund-Future legte bis zu 45 Ticks auf ein Kontrakthoch von 137,80 Punkte zu. Die Rendite der entsprechenden zehnjährigen französischen Anleihe rutschte zugleich bis auf 1,978 Prozent ab und lag damit so niedrig wie noch nie seit Gründung der Euro-Zone 1999. Zum Vergleich: Deutsche zehnjährige Bundesanleihen rentieren derzeit bei 1,35 Prozent.

Die französischen Anleihen gelten anders als die deutschen aufgrund der niedrigen Umsätze nicht als richtungsweisend für die Währungsunion. Frankreich war im November von Moody's die Bestnote aberkannt worden. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte Frankreich schon im Januar heruntergestuft.