Jahresendrally in vollem Gange - Dax auf 19-Monats-Hoch

Donnerstag, 6. Dezember 2012, 11:50 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Anleger in Europa haben am Donnerstag im großen Stil Aktien gekauft.

Der Dax und der EuroStoxx50 kletterten auf den höchsten Stand seit rund anderthalb Jahren. Als Grund für das deutliche Plus an den europäischen Aktienmärkten nannten Börsianer unter anderem den Mangel an Alternativen zur Aktie als Geldanlage. Am Vormittag verzeichnete der Dax bei deutlich ansteigenden Umsätzen einen Aufschlag von 1,2 Prozent auf 7541 Punkte, der EuroStoxx50 notierte zuletzt 0,8 Prozent höher bei 2613 Punkten. Der Nebenwerteindex MDax kletterte auf ein Rekordhoch von 11.891 Punkten.

"Die Jahresendrally läuft schon längst", konstatierte ein Frankfurter Aktienhändler. Seit Mitte November hat der Dax gut 8,5 Prozent zugelegt, seit Anfang des Jahres sogar 28 Prozent. Würde der Leitindex mit diesem Aufschlag des Jahr 2012 beenden, wäre das das der größte Jahresgewinn seit neun Jahren. "Einen richtigen Auslöser für die Rally heute gibt es eigentlich nicht. Aber es setzt sich immer stärker die Erkenntnis durch, dass es zur Aktie als Geldanlage keine Alternative gibt, was die Rendite angeht", sagte ein Händler. Außerdem hübschten institutionelle Investoren zum Jahresende traditionell ihre Bilanzen auf, indem sie gut gelaufene Anlagen verstärkt zukauften.

Am Nachmittag dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) den Ton an den Finanzmärkten angeben. Sie gibt dann ihren letzten Zinsentscheid in diesem Jahr bekannt (13.45 Uhr MEZ). Die meisten Experten rechnen zwar nicht damit, dass die Notenbank den Zinssatz von derzeit 0,75 Prozent ändern wird. Spannend dürfte es aber in der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung werden (14.30 Uhr). Börsianer lauern auf Hinweise, ob EZB-Chef Mario Draghi eine Zinssenkung für nächstes Jahr andeuten wird.

EADS HEBEN AB

Im Rampenlicht standen am Donnerstag in Europa auch die Aktien von EADS mit einem Aufschlag von knapp acht Prozent auf 29,35 Euro. Die Papiere des Luft- und Raumfahrtkonzerns profitierten von der Einigung auf eine neue Aktionärsstruktur. Deutschland wird als dritter Staat Großaktionär bei EADS. Daimler veräußerte am Morgen wie geplant die Hälfte seines Anteils an EADS. Der Autokonzern verkaufte rund 61 Millionen EADS-Aktien zum Preis von je 27,23 Euro an die staatliche Förderbank KfW, das private Investoren-Konsortium Dedalus und institutionelle Anleger verkauft. Außerdem plant EADS einen umfassenden Aktienrückkauf. "Es ist gut, dass man eine Lösung gefunden hat und bei EADS endlich Ruhe einkehrt", sagte ein Händler. Daimler-Aktien verzeichneten ein Plus von 1,3 Prozent. Aus der EADS-Platzierung fließen dem Konzern 1,66 Milliarden Euro zu.

Auf den Einkaufslisten der Anleger standen auch Chemie- und Pharmawerte. Der europäische Chemiebranchenindex kletterte um 1,9 Prozent. Im Dax lagen Bayer mit einem Aufschlag von vier Prozent vorne, gefolgt von Lanxess mit einem Plus von 2,5 Prozent. Bei Bayer sorge der Zulassungsantrag für ein Augenmittel für einen Zusatzschub, sagte ein Händler.

Die Papiere von ThyssenKrupp verteuerten sich um 2,4 Prozent, nachdem der halbe Vorstand des Industriekonzerns am Mittwochabend geschasst worden war.