Aussicht auf Zinssenkung und gute US-Daten belasten Euro

Freitag, 7. Dezember 2012, 15:37 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Unerwartet gute Wirtschaftsdaten aus den USA haben das Vertrauen in den Dollar am Freitag gestärkt.

Die US-Währung zog zu einem Korb aus sechs Währungen um 0,4 Prozent an. Der Euro fiel um 0,7 Prozent auf 1,2880 Dollar.

In der weltgrößten Volkswirtschaft sind im November 146.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen worden und damit deutlich mehr als von Analysten erwartet. Die Arbeitslosenrate ging auf 7,7 (Oktober: 7,9) Prozent zurück. "Die moderate Erholung des Arbeitsmarktes setzt sich fort, ungeachtet möglicher Störungen wegen der Wirbelsturmauswirkungen Anfang November", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Sturm "Sandy" war über New York gefegt, hatte das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt und hohe Schäden verursacht. Die Arbeitslosenquote liegt Umlauf zufolge immer noch auf einem für die US-Notenbank inakzeptabel hohen Niveau. "Die Option weiterer Anleihekäufe der Fed dürfte daher bis auf weiteres erhalten bleiben, allerdings sehen wir wegen des jüngsten Rückgangs keinen akuten Handlungsbedarf in der nächsten Woche."

Vor Veröffentlichung der Daten hatte bereits die Aussicht auf eine baldige Zinssenkung den Euro belastet. Anleger reagierten mit ihren Verkäufen auf Äußerungen des slowakischen EZB-Ratsmitglieds Jozef Makuch. In der Ratssitzung der Zentralbank am Donnerstag sei sehr ernsthaft über Zinsen debattiert worden, sagte er. Sollte sich die Lage nicht verbessern, sei ein Zinsschritt 2013 womöglich zu erwarten. Vor diesen Aussagen hatte der Euro um 1,2935 Dollar notiert.

In Reaktion auf ein Erdbeben im Nordosten Japans und eine damit einhergehende Tsunami-Warnung ist der Yen um 0,4 Prozent zum Dollar gefallen.

POLITISCHE UNRUHE IN ITALIEN VERPRELLT ANLEGER

Die politische Unsicherheit in Italien hat Investoren aus Staatsanleihen des Landes flüchten lassen. Die Kurse sanken, im Gegenzug stieg die Rendite der zehnjährigen Papiere in der Spitze auf 4,65 Prozent. Noch am Dienstag war sie auf ein Zwei-Jahres-Tief von 4,39 Prozent gefallen. Unklar ist, ob sich Ministerpräsident Mario Monti bis zur Parlamentswahl im Frühjahr 2013 halten kann, oder ob vorzeitige Neuwahlen angesetzt werden müssen. "Die Reaktion des Marktes zeigt, wie instabil die Gemengelage in der Peripherie aktuell ist", kommentierte die Metzler Bank. Der frühere EU-Kommissar Monti gilt als Garant für den Sparkurs des Landes.

Auch die spanischen Renditen zogen im Schlepptau wieder an und notierten in der Spitze bei 5,60 (spätes Vortagesgeschäft: 5,47) Prozent.

ANLEIHEN-RÜCKKAUFPROGRAMM VON ATHEN IM FOKUS

Griechische Anleihen waren dagegen gefragt, so dass die Rendite auf 14,55 Prozent fiel. Bis 18.00 Uhr MEZ läuft noch die Frist, in der private Gläubiger dem griechischen Staat von ihnen gehaltene Anleihen zum Rückkauf andienen können. Der in Aussicht gestellte Preis für die Papiere von bis zu 40 Prozent des Nominalwerts liegt über dem Marktwert. Seit die Regierung in Athen die unerwartet hohen Ankaufkurse in Aussicht gestellt hat, sind die Renditen stark gefallen und liegen auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2011. Im März dieses Jahres rentierten die Papiere zeitweise mit mehr als 40 Prozent.

Die griechische Regierung will über den Anleihenrückkauf ihre Schulden um 20 Milliarden Euro senken. Analysten hoffen, dass das Programm ein Erfolg wird. Einen Großteil der noch ausstehenden Anleihen liegt in den Depots griechischer Banken. Von denen gab es Signale, dass sie ihre gesamten Bestände an die Regierung verkaufen könnten.