Wieder die Fiskalklippe - US-Börse spielt das alte Lied

Samstag, 8. Dezember 2012, 16:04 Uhr
 

New York (Reuters) - An der Wall Street wird auch in der neuen Woche das alte Lied gespielt: Die zum Jahresende drohende sogenannte Fiskalklippe dürfte den Handel weiter bestimmen.

Selbst ein Großereignis wie die geldpolitische Sitzung der US-Notenbank (Fed) geriete damit in den Hintergrund. Sollte die Fed am Mittwoch weitere Pläne zur Stützung der Konjunktur ankündigen, könnte das zwar für eine gewisse Erleichterung an den US-Börsen sorgen. Aber lange würde dies nicht anhalten, sagt Mohannad Aama von Beam Capital Management in New York. "Ich glaube, danach geht es abwärts, weil die Sorgen über die Fiskalklippe wieder im Mittelpunkt stehen." Eine Einigung von Regierung und Opposition im Haushaltsstreit werde immer unwahrscheinlicher.

Sollten sich beide Seiten nicht verständigen, setzen zum Jahreswechsel massive Ausgabenkürzungen und Steueranhebungen ein, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten. Höhere Steuern müssten dann insbesondere auch Anleger auf ihre Kapitaleinkünfte zahlen. Diese Gefahr veranlasst viele Marktteilnehmer, sich nun von Aktien zu trennen, mit denen sie hohe Gewinne eingefahren haben. "Wir werden wahrscheinlich eine Zuspitzung der Gewinnmitnahmen sehen, bevor die Steuersätze nächstes Jahr nach oben gehen", prognostiziert Aama. Im Blick steht hier vor allem die Apple-Aktie. Sie hat im laufenden Quartal bereits 20 Prozent an Wert verloren nach zuvor rasantem Anstieg. Der Kurs des US-Konzerns mit der größten Marktkapitalisierung liegt immer noch fast 32 Prozent über dem Niveau vom Jahresbeginn. Die starken Kursschwankungen des Apple-Papiers könnten nun auch den Gesamtmarkt anstecken und für eine erhöhte Volatilität sorgen, sagte Enis Taner von der Optionshandelsfirma RiskReversal.com. Auch ein Anstieg des Handelsvolumens ist aus Sicht von Analysten wahrscheinlich.

Die vergangene Woche hatte der breit gefasste S&P-500-Index kaum verändert abgeschlossen. Das Standardwerte-Barometer Dow Jones und der Technologieindex Nasdaq legten dagegen je ein Prozent zu.

Die Hoffnung auf eine kurze Jahresendrally an der Wall Street ist noch nicht vorüber. Marktstratege Bruce Zaro von Delta Global Asset Management wenigstens sieht dafür eine gute Chance: Die Börse warte nur auf positive Nachrichten zu den Haushaltsverhandlungen.