Schweizer Börse steckt Italien-Verunsicherung weg

Montag, 10. Dezember 2012, 18:15 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Die Schweizer Börse hat sich von der überraschenden Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Mario Monti und der damit verbundenen Unsicherheit über die Entwicklung in Italien nicht aus dem Tritt bringen lassen.

Nach einer vorübergehenden leichten Schwäche nahm der Markt angeführt von den als krisensicher geltenden Schwergewichten den Aufwärtstrend wieder auf und tendierte freundlich. Das Geschäft verlief laut Händlern aber in ruhigen Bahnen und die Umsätze hielten sich in Grenzen.

Der Standardwerte-Index SMI schloss um 0,27 Prozent höher auf 6943 Punkten. Der breite SPI stieg ebenfalls um 0,25 Prozent auf 6386 Zähler. Im Handelverkauf verzeichnete der SMI ein neues Jahreshoch bei 6948 Zählern.

Händler sagten, die Anleger sorgten sich zwar durchaus darum, wie es nun mit Italiens Reformen weitergehe. Der Rücktritt Montis habe manchem Anleger aber einfach die Begründung dafür geliefert, einen Teil der jüngsten Gewinne mitzunehmen. Allerdings sei nicht damit zu rechnen, dass eine andere Regierung eine völlig andere Politik betreiben könne.

Aktien mit defensiver Ausrichtung führten bei den Bluechips die Gewinner an. Die Anstiege fielen aber moderat aus. Vorne dabei war der Genussschein von Roche, der gut ein Prozent gewann. Der Pharmakonzern legte positive Testergebnisse über die beiden Medikamente Perjeta und Mabthera vor. Roche-Konzernchef Severin Schwan soll im März auch einen Sitz im Verwaltungsrat erhalten. CEO und Verwaltungsratspräsident in Personalunion soll es bei Roche in Zukunft aber nicht mehr geben. Zu den Gewinnern zählten die Aktien von Givaudan, Actelion und Novartis. Novartis zählt zu den zehn Favoriten des US-Anlegermagazins "Barron's" für 2013. Nestle legten marginal zu.

Die Aktien von Richemont und Swatch tendierten mit Rückenwind guter Konjunkturdaten aus China freundlich. Zur Unterstützung dürften auch die optimistischen Aussagen von Swatch-Konzernchef Nick Hayek beigetragen haben. Hayek hatte in der Zeitung "Le Temps" gesagt, trotz der Konjunkturwidrigkeiten sei das Umsatzziel von acht Milliarden Franken in diesem Jahr erreichbar.

Bei den den zyklischen Aktien überwog insgesamt ein leicht negativer Trend. Adecco, ABB, Clariant und Holcim bröckelten leicht ab.

Die Finanzwerte neigten mehrheitlich zur Schwäche. "Hier zeigte sich der Monti-Effekt am stärksten", sagte ein Händler. Europaweit litten die Banken unter der durch den Rücktritt Montis verursachten Verunsicherung. Die Anteile der Credit Suisse und der UBS büssten je knapp ein halbes Prozent ein. Die Versicherungstitel schwächten sich leicht ab. Swiss Re verloren 0,5 Prozent.

Schweiter stiegen um gut sechs Prozent. Der Maschinenbauer verkauft den Geschäftsbereich Ismeca Semiconductors für 51 Millionen Dollar an die US-Firma Cohu und erhält zusätzlich rund 30 Millionen Franken Dividende von Ismeca. Schweiter will bis Oktober 2014 maximal zehn Prozent des Aktienkapitals zurückkaufen und seine "attraktive Dividendenpolitik" fortführen.

Orascom legten 4,5 Prozent zu. Händler sprachen von einer technischen Erholung von den Kurseinbussen, die die Aktie der Tourismusgruppe nach dem Quartalsbericht erlitten hatte. Goldman Sachs hat die Aktie auf Neutral von Sell hochgestuft. Der heftige Schneefall half den Titeln der Jungfraubahn, die 2,6 Prozent vorrückten.