Unsicherheit über Italien zermürbt Dax- und Euro-Anleger

Montag, 10. Dezember 2012, 11:17 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Rücktrittsankündigung von Italiens Ministerpräsidenten Mario Monti hat die Anleger an den europäischen Aktien- und Devisenmärkten zu Wochenbeginn verunsichert.

Doch während in Frankfurt und Paris die Investoren am Montag noch relativ gelassen reagierten, verkauften Anleger in Mailand ihre Aktien in großem Stil. Der Dax verlor 0,4 Prozent auf 7484 Zähler, der italienische Leitindex brach um 3,3 Prozent ein. Der EuroStoxx50 verlor rund ein Prozent. Der Euro kam mit einem Abschlag von etwa einem viertel US-Cent auf 1,29 Dollar noch relativ glimpflich davon. Anders am Rentenmarkt: Dort führte ein Ausverkauf italienischer Anleihen zu einem starken Renditeanstieg.

"Der angekündigte Rückzug von Italiens Ministerpräsident Mario Monti und das geplante Comeback von Silvio Berlusconi könnte die Furcht vor einem Wiederaufflammen der Schuldenkrise in Europa erneut anfachen", erklärte LBBW-Analyst Wolfgang Albrecht. Monti hatte am Wochenende nach dem Verlust der Unterstützung durch die Partei seines Vorgängers Berlusconi überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Berlusconi - dem die Märkte kaum eine glaubwürdige Sparpolitik zutrauen - erklärte, bei der voraussichtlich im Februar anstehenden Wahl erneut für das Amt des Regierungschefs zu kandidieren. "Monti hatte für eine gewisse Stabilität in Rom gesorgt, mit Berlusconi könnte die Lage wieder fragiler werden", sagte ein Händler. "Jede Infragestellung der Sparbemühungen Italiens ist für die italienischen Anleihen Gift", erklärte ein anderer Börsianer.

So brach der italienische Anleihe-Future um 2,19 Punkte auf 107,88 Zähler ein. Die zehnjährigen Staatsanleihen stürzten entsprechend ab, was die Rendite gleich auf 4,82 Prozent von 4,55 Prozent am Freitag hievte. Damit erhöhen sich die Kosten für die Kreditaufnahme Italiens wieder deutlich. Am Aktienmarkt bekamen vor allem die Finanztitel das Misstrauen der Anleger zu spüren. Unicredit-Aktien - die Bank ist in München durch die HVB präsent - und die Titel der Intesa SanPaolo stürzten um je rund sechs Prozent ab. Auch die spanischen Finanztitel kamen nicht ungeschoren davon: Banco Santander und BBVA.MC> verloren je etwa drei Prozent. Im Dax traf es vor allem die Titel der Commerzbank und der Deutschen Bank, die drei beziehungsweise zwei Prozent einbüßten. Die im MDax gelisteten Papiere der Aareal Bank fielen um 2,9 Prozent. Der EuroStoxx-Bankenindex gab 3,4 Prozent nach.

Im Dax standen zudem nach einem kritischen Analystenkommentar die Aktien von RWE auf den Verkaufszetteln. RWE fielen um 1,5 Prozent, nachdem Händlern zufolge die Analysten der Bank of America/Merrill Lynch ihre Anlageempfehlung für den Energiekonzern auf "underperform" von "neutral" gesenkt hatten.

CHINA-DATEN MACHEN ANLEGERN HOFFNUNG

Doch es gab nicht nur schlechte Nachrichten für die Anleger. So mehren sich in der chinesischen Wirtschaft die ermutigenden Signale für ein Anziehen der Konjunktur. Nach am Wochenende veröffentlichten Daten war die Industrieproduktion der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft im November überraschend um 10,1 Prozent und damit so stark wie seit acht Monaten nicht mehr gewachsen. Analysten hatten nur mit einem Plus von 9,8 Prozent gerechnet. Dies trieb vor allem die Rohstoffpreise hoch. So verteuerte sich eine Tonne Kupfer um 1,4 Prozent auf 8144 Dollar.

Händler vermuteten zudem, dass einige deutsche Anleger den Rückgang der Kurse zum Einstieg nutzten. Schließlich hätten viele in der vergangenen Woche den Anstieg des Dax um 1,5 Prozent verpasst. Vor dem Jahresultimo seien die meisten aber extrem zurückhaltend.