Italiens Regierungskrise macht Europas Börsen zu schaffen

Montag, 10. Dezember 2012, 14:08 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die überraschende Rücktrittsankündigung des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti hat am Montag einen Ausverkauf der Aktien und Staatsanleihen des Landes ausgelöst.

Anleger fürchteten, dass die Sanierung der italienischen Staatsfinanzen einen Rückschlag erleidet. Die übrigen europäischen Aktienbörsen standen zwar ebenfalls unter Druck, kamen aber ebenso wie der Euro meist glimpflich davon.

Finanzmarkt-Expertin Audrey Childe-Freedman von der Investmentbank BMO Capital Markets bezeichnete den Rücktritt Montis als Enttäuschung. "Schließlich hatte er sich in den vergangenen zwölf Monaten eine hohe Reputation erarbeitet." Nun werde seine Sanierungsarbeit in Frage gestellt. Auch David Thebault, Chef-Händler von Global Equities, warnte vor gestiegenen politischen Risiken in Italien. "Monti war schließlich derjenige, der Italien stabilisiert und ein Überschwappen der Schuldenkrise verhindert hat."

Monti hatte am Wochenende nach dem Verlust der Unterstützung durch die Partei seines Vorgängers Silvio Berlusconi überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Berlusconi - dem die Märkte kaum eine glaubwürdige Sparpolitik zutrauen - erklärte, er kandidiere bei der voraussichtlich im Februar anstehenden Wahl erneut für das Amt des Regierungschefs.

ITALIENISCHE AKTIEN UND ANLEIHEN AUF TALFAHRT - DAX IM MINUS

Vor diesem Hintergrund rutschte der Leitindex der Mailänder Börse um bis zu 3,8 Prozent auf ein Drei-Wochen-Tief von 15.104,13 Zähler ab. Der Ausverkauf am Rentenmarkt drückte den Terminkontrakt auf die zehnjährigen italienischen Staatsanleihen in der Spitze um fast drei volle Punkte auf 107,11 Stellen. Im Gegenzug stieg die Rendite der entsprechenden Bonds auf 4,909 Prozent von 4,545 Prozent am Freitag. Einige Anleihe-Anleger schichteten ihr Geld in die als sicher geltenden Bundesanleihen um und verhalfen dem Bund-Future zu einem Plus von 22 Ticks auf 145,94 Punkte.

Gleichzeitig verteuerten sich die Kosten für eine Absicherung vor einem Zahlungsausfall Italiens per Credit Default Swap (CDS). So stieg die Prämie zur Versicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Staatsanleihen um 33.000 auf 288.000 Euro, wie der Datenanbieter Markit mitteilte. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, schossen gleichzeitig um jeweils knapp neun Prozent in die Höhe und notierten mit 16,77 beziehungsweise 18,67 Stellen so hoch wie zuletzt vor zwei Wochen.

Der Dax gab 0,5 Prozent auf 7476 Punkte nach, der EuroStoxx50 ein Prozent auf 2575 Zähler. Der Euro kostete mit 1,2914 Dollar etwa 0,1 US-Cent weniger als zum New Yorker Freitagsschluss. Folker Hellmeyer, Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank, bezeichnete die Aufregung im Fernseh-Sender n-tv als "Sturm im Wasserglas". Für viele Anleger sei die Entwicklung in Rom nur eine Ausrede, um Kasse zu machen. Er rechne damit, dass der Dax dieses Jahr die 7600er-Marke noch knacken könne, betonte Hellmeyer. Der Dax hat in den vergangenen drei Wochen etwa 600 Punkte zugelegt und steuert mit einem Plus von knapp 30 Prozent seit Anfang Januar auf seine beste Jahresbilanz seit 2003 zu.

FINANZWERTE STEHEN WEIT OBEN AUF DEN VERKAUFSLISTEN

Bei den Unternehmen zählten die Finanzwerte zu den größten Verlierern, die üblicherweise besonders sensibel auf Nachrichten rund um die Schuldenkrise reagieren. So brach der italienische Bankenindex um bis zu 6,8 Prozent ein, sein Pendant der Institute der Euro-Zone gab 3,2 Prozent nach. Mit Kursverlusten zwischen 4,4 und 7,2 Prozent belegten die neun dort gelisteten italienischen Banken die ersten neun Plätze der Verliererliste. Commerzbank und Deutsche Bank gaben jeweils mehr als zwei Prozent nach und gehörten damit zu den schwächsten Werten im Dax. Erste Bank und Raiffeisen Bank verloren jeweils knapp zwei Prozent.

Im Rampenlicht stand auch Mediaset, der Medienkonzerns Berlusconis. Die Aktien legten in Mailand zunächst gegen den Trend 2,4 Prozent zu, verloren dann aber im Sog des fallenden Gesamtmarktes 1,9 Prozent auf 1,34 Euro.