Italiens Regierungskrise macht Europas Börsen zu schaffen

Montag, 10. Dezember 2012, 17:55 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die überraschende Rücktrittsankündigung des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti hat am Montag einen Ausverkauf bei Aktien und Staatsanleihen des Landes ausgelöst.

Anleger fürchteten, dass die Sanierung der italienischen Staatsfinanzen einen Rückschlag erleidet. Die übrigen europäischen Aktienbörsen standen zwar ebenfalls unter Druck, kamen aber ebenso wie der Euro meist glimpflich davon. Der Dax rettete sich sogar ins Plus.

Monti hatte am Wochenende nach dem Verlust der Unterstützung durch die Partei seines Vorgängers Silvio Berlusconi überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Berlusconi - dem die Märkte kaum eine glaubwürdige Sparpolitik zutrauen - erklärte, er kandidiere bei der voraussichtlich im Februar anstehenden Wahl erneut für das Amt des Regierungschefs.

"Berlusconi ist nicht der Grund für Italiens tiefsitzende und langanhaltende wirtschaftliche Probleme", sagte Nicholas Spiro, Chef des Anlage-Beraters Spiro Sovereign Strategy. "Aber er verkörpert geradezu die Funktionsstörungen der italienischen Politik." Finanzmarkt-Expertin Audrey Childe-Freedman von der Investmentbank BMO Capital Markets bedauerte den Rücktritt Montis. "Schließlich hatte er sich in den vergangenen zwölf Monaten eine hohe Reputation erarbeitet." Nun werde seine Sanierungsarbeit in Frage gestellt. Ein Aktienhändler warnte dagegen vor überzogenem Pessimismus. Schließlich stehe noch nicht fest, dass Berlusconi die Wahl gewinnen und ins Amt zurückkehren werde.

ITALIENISCHE AKTIEN UND ANLEIHEN AUF TALFAHRT - DAX IM MINUS

Vor diesem Hintergrund rutschte der Leitindex der Mailänder Börse um bis zu 3,8 Prozent und lag am Abend 2,2 Prozent im Minus bei 15.354,01 Zählern. Der Ausverkauf am Rentenmarkt drückte den Terminkontrakt auf die zehnjährigen italienischen Staatsanleihen in der Spitze um fast drei volle Punkte auf 107,11 Stellen. Im Gegenzug stieg die Rendite der entsprechenden Bonds auf 4,909 Prozent von 4,545 Prozent am Freitag.

Gleichzeitig verteuerten sich die Kosten für eine Absicherung vor einem Zahlungsausfall Italiens per Credit Default Swap (CDS). So stieg die Prämie zur Versicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Staatsanleihen um 33.000 auf 288.000 Euro, wie der Datenanbieter Markit mitteilte. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, schossen gleichzeitig um jeweils knapp neun Prozent in die Höhe und notierten mit 16,77 beziehungsweise 18,67 Stellen so hoch wie zuletzt vor zwei Wochen.

Der Dax verabschiedete sich knapp im Plus bei 7530,92 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 notierte 0,3 Prozent schwächer bei 2594,94 Zählern, nachdem er zuvor bis zu 1,3 Prozent verloren hatte. An der Wall Street lag der US-Standardwerteindex Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 0,2 Prozent im Plus.

Angesichts der 600-Punkte-Rally des Dax in den vergangenen drei Wochen sei ein größerer Rücksetzer durchaus wünschenswert und gesund, sagte ein Börsianer. Danach sehe es aber nicht aus. "Es fehlt weiterhin an der Anlagealternative und somit werden freie Gelder den Aktienmarkt hochhalten beziehungsweise gut unterstützen." Mit einem Plus von knapp 30 Prozent seit Anfang Januar steuert der Leitindex auf seine beste Jahresbilanz seit 2003 zu. Der Euro kostete am frühen Montagabend mit 1,2925 Dollar ungefähr so viel zum New Yorker Freitagsschluss.   Fortsetzung...

 
A bull figure is pictured in front of the German share price index DAX board at the German stock exchange in Frankfurt December 10, 2012. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS TPX IMAGES OF THE DAY)