Dax nach ZEW-Index auf Jahreshoch - ThyssenKrupp gefragt

Dienstag, 11. Dezember 2012, 14:12 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das Vertrauen von Finanzprofis in die deutsche Wirtschaft hat am Dienstag auf die europäischen Aktienmärkte abgefärbt.

Der Dax stieg in der Spitze um 0,7 Prozent auf 7581 Punkte und notierte damit so hoch wie seit Mai 2011 nicht mehr. Der EuroStoxx50 gewann bis zu 0,8 Prozent auf 2617 Zähler und lag damit weniger als einen Punkt unter seinem Jahreshoch vom Monatsanfang. An den US-Börsen zeichnete sich ebenfalls ein freundlicher Handelsstart ab. "Die Märkte spielen derzeit 'Aktie oder gar nichts'", fasste ein Börsianer die Stimmung zusammen. Viele Anleger seien zum Jahresende zudem auf der Suche nach Titeln, die bisher nicht so gut gelaufen seien.

Dazu zählte am Dienstag vor allem die Aktie von ThyssenKrupp, die sich nach einem schwachen Handelsstart mit einem Plus von 6,2 Prozent auf 17,21 Euro klar an die Dax-Spitze setzte. "Die Investoren wollen das Papier jetzt haben, weil sie davon ausgehen, dass alles Negative eingepreist ist", sagte ein Händler. Deutschlands größter Stahlkonzern hat einen Rekordverlust von fünf Milliarden Euro ausgewiesen und die Dividende gestrichen. Mit neuem Vorstand und Führungsstil soll nun ein Neuanfang gelingen. In den nächsten drei Jahren sollen zwei Milliarden Euro eingespart werden, dabei könnten auch Jobs gestrichen werden, hieß es. "Die Börse liebt Restrukturierung", sagte ein Börsianer. Die Anteilsscheine von ThyssenKrupp haben zwar auf Jahressicht nur 2,5 Prozent eingebüßt, gehören damit aber zu den drei schlechtesten Dax-Werten.

Am Gesamtmarkt nahmen Investoren vor allem den ZEW-Index positiv auf: Die Konjunkturerwartungen im Dezember kletterten überraschend stark auf plus 6,9 Punkte von minus 15,7 Punkten im November. Das ist der beste Wert seit Mai. Ein Börsianer schlussfolgerte: "Deutschland bleibt eine Rezession erspart."

Der Hauptantrieb für den Markt kam von liquiden Investoren, die ihr Geld zum Jahresende hin noch anlegen wollten. "Das Jahr 2012 war über alle Anlageklassen hinweg sehr erfolgreich, Cash war eines der am wenigsten rentablen Investments, das sie machen konnten", sagte Kapitalmarktanalyst Dennis Nacken von Allianz Global Investors. Selbst die politischen Unsicherheiten rund um Italien und Griechenland vermochten Anleger im Moment nicht allzu stark zu schrecken. "Europäische Politiker versuchen an einem Strang zu ziehen, das Worst-Case-Szenario eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone scheint momentan überwunden", so Nacken. Auch die Gemeinschaftswährung zog an und notierte bei 1,2988 Dollar nach 1,2941 Dollar am Vorabend.

ANLEGER SETZEN AUF STABILES ITALIEN

Der italienische Aktienmarkt konnte sich von seinem Vortagesverlust erholen und zog um knapp ein Prozent an. In Italien werde trotz der neuen Avancen von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi kein Regierungsumschwung erwartet, sagte Nacken: "Wir glauben nicht, dass es zu einer Kehrtwende der politischen Weichenstellungen kommen wird." Eine gewisse Entspannung war auch am Anleihemarkt spürbar, dort gab die Rendite italienischer zehnjähriger Staatsanleihen auf 4,75 (spätes Vortagesgeschäft: 4,82) Prozent nach.

Unter den Einzelwerten erholten sich die Versorger RWE und E.ON von ihren jüngsten Verlusten und legten 1,5 Prozent beziehungsweise 1,4 Prozent zu.

Deutsche Post verloren in Reaktion auf eine gesenkte Anlageempfehlung von JP Morgan 0,7 Prozent. Deren Analysten bewerten die Titel nur noch mit "Neutral" nach bislang "Overweight".

Im MDax legten WincorNixdorf 4,1 Prozent zu - so deutlich zu wie kein anderer Wert. Börsianer tippten auf Nachholbedarf bei der Aktie, die in diesem Jahr zwar um 3,6 Prozent zugelegt hat, dem MDax (plus 35 Prozent) damit aber deutlich hinterherhinkt.

In Brüssel rutschten die Titel der KBC Group um 5,3 Prozent ab. Anleger nahmen dem Finanzkonzern eine Kapitalerhöhung von rund 1,3 Milliarden Euro übel. Mit den Einnahmen will das Management die Bilanz verbessern und staatliche Hilfe zurückzahlen.