Dax nach ZEW-Index auf Jahreshoch - ThyssenKrupp gesucht

Dienstag, 11. Dezember 2012, 18:09 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das Vertrauen von Finanzprofis in die deutsche Wirtschaft hat am Dienstag auf die europäischen Aktienmärkte abgefärbt.

Das ZEW-Barometer für die Entwicklung der Konjunktur in den kommenden sechs Monaten kletterte im Dezember überraschend stark auf plus 6,9 Punkte von minus 15,7 Punkten im November. Auch die Aussicht auf frisches Geld durch die US-Notenbank sowie eine erfolgreiche Anleihe-Auktion Spaniens sorgten für gute Stimmung.

Der Dax beendete den Handel mit einem Aufschlag von 0,8 Prozent bei 7589,75 Zählern, nachdem er zeitweise auf ein neues Jahreshoch von 7596 Stellen geklettert war. Der deutsche Leitindex markierte zugleich den höchsten Schlusskurs seit Januar 2008. Der EuroStoxx50 legte um 1,1 Prozent auf 2623 Punkte zu und erreichte damit ebenfalls ein neues Jahreshoch. Auch die US-Börsen verzeichneten deutliche Gewinne. "Die Märkte spielen derzeit 'Aktie oder gar nichts'", fasste ein Börsianer die Stimmung zusammen. Viele Anleger seien zum Jahresende auf der Suche nach Titeln, die bisher nicht so gut gelaufen seien.

Dazu zählte am Dienstag vor allem die Aktie von ThyssenKrupp, die sich nach einem schwachen Handelsstart mit einem Plus von 5,6 Prozent auf 17,17 Euro klar an die Dax-Spitze setzte. "Die Investoren wollen das Papier jetzt haben, weil sie davon ausgehen, dass alles Negative eingepreist ist", sagte ein Händler. Deutschlands größter Stahlkonzern hat einen Rekordverlust von fünf Milliarden Euro ausgewiesen und die Dividende gestrichen. Mit neuem Vorstand und Führungsstil soll nun ein Neuanfang gelingen. In den nächsten drei Jahren sollen zwei Milliarden Euro eingespart werden, dabei könnten auch Jobs gestrichen werden, hieß es. "Die Börse liebt Restrukturierung", sagte ein Börsianer. Die Anteilsscheine von ThyssenKrupp haben zwar auf Jahressicht nur rund zweieinhalb Prozent eingebüßt, gehören damit aber zu den drei schlechtesten Dax-Werten.

EURO ZEITWEISE ÜBER 1,30 DOLLAR - E.ON UND RWE GEFRAGT

Am Gesamtmarkt wurde die gute Stimmung durch die Aussicht auf neue Geldspritzen durch die US-Notenbank gefördert. Die Federal Reserve dürfte am Dienstag und Mittwoch Experten zufolge die Weichen dafür stellen und monatliche Anleihe-Käufe im Volumen von mindestens 45 Milliarden Dollar beschließen.

In dieser Gemengelage griffen Investoren auch wieder zum Euro, der zeitweise über die Marke von 1,30 Dollar sprang. Dagegen waren die als sicherer Anlagehafen geltenden Bundesanleihen weniger gefragt - der Bund-Future verlor 19 Ticks auf 145,41 Zähler.

Am Rentenmarkt sorgten zudem die Auktion spanischer Anleihen für mehr Risikofreude - das von der Schuldenkrise geplagte Land nahm bei der Emission zwölf- und 18-monatiger Geldmarktpapiere 3,9 Milliarden Euro ein. Dass dagegen die Athener Regierung bei ihrem Rückkaufprogramm eigener Anleihen die Zielvorgaben verfehlte, schreckte zunächst niemanden auf. Aus Kreisen der Euro-Zone hieß es, Griechenland seien Anleihen im Nennwert von fast 32 Milliarden Euro angedient worden. Damit werde aber nicht die Vorgabe erreicht, bis 2020 die Schuldenlast auf 124 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu drücken.

Der italienische Aktienmarkt konnte sich von seinem Vortagesverlust erholen und zog um 1,5 Prozent an. In Italien rechnen Analysten trotz des Comeback-Versuchs des ehemaligen Ministerpräsidenten von Silvio Berlusconi mit keinem Richtungswechsel bei der Regierungspolitik. Eine gewisse Entspannung war auch am Anleihemarkt spürbar, dort gab die Rendite italienischer zehnjähriger Staatsanleihen auf 4,73 (spätes Vortagesgeschäft: 4,82) Prozent nach.   Fortsetzung...