Deutsche Konjunkturdaten geben Wall Street Auftrieb

Dienstag, 11. Dezember 2012, 19:14 Uhr
 

New York (Reuters) - Überraschend gute Konjunkturdaten aus Deutschland haben die US-Börsen am Dienstag beflügelt.

Das stark gestiegene Vertrauen von Finanzprofis in die deutsche Wirtschaft habe auch die Anleger an der Wall Street ermutigt, sagten Händler. Zudem trieben Schnäppchenjäger vor allem die Technologiewerte in die Höhe. Vor allem Aktien von Börsenschwergewichten wie Apple, die zuletzt unter Gewinnmitnahmen gelitten hatten, waren gefragt. Die Hängepartie um den Haushaltsstreit in den USA geriet dagegen etwas in den Hintergrund. Die Investoren blickten vielmehr mit Spannung auf die zweitägigen Beratungen der US-Notenbank. Es wird erwartet, dass die Federal Reserve am Mittwoch neue Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft bekanntgeben wird.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte bis zum Mittag in New York um 0,8 Prozent auf 13.275 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,9 Prozent auf 1431 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,4 Prozent auf 3027 Stellen. In Frankfurt ging der Dax mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 7589 Punkte aus dem Handel.

Das deutsche ZEW-Barometer für die Entwicklung der Konjunktur in den kommenden sechs Monaten stieg im Dezember zur Überraschung fast aller Experten auf plus 6,9 von minus 15,7 Punkten. Dies ist der beste Wert seit Mai. Deutschland bliebe damit eine Rezession erspart. Für den Optimismus gibt es der Commerzbank zufolge drei Gründe: Griechenland sei gerettet, die EZB sei bei Bedarf zu einem massiven Eingriff bereit und das Ifo-Geschäftsklima sei im November erstmals wieder gestiegen.

Insgesamt hat an den US-Börsen aber die Zeit begonnen, in der der Handel mit Blick auf die Weihnachtsferien und den bevorstehenden Jahreswechsel mehr und mehr abebbt. Die Anleger griffen allerdings bei Aktien aus der Technologiebranche kräftig zu. Diese wurden zuletzt aus Furcht vor den Folgen von Steuererhöhungen abgestoßen, die drohen, wenn die Demokraten von Präsident Barack Obama und die Republikaner nicht bis zum Jahresende einen Haushaltskompromiss einigen. Zu den größten Gewinnern hier zählten die Titel des iPhone-Herstellers Apple, die 2,8 Prozent zulegten. Die Papiere des Chipriesen Intel gewannen 2,4 Prozent. Schnäppchenjäger setzten auf ein Anziehen des Marktes im neuen Jahr, sagte Analyst Michael Sheldon von RDM Financial.

Die Titel von AIG legten 4,6 Prozent zu. Die US-Regierung hat mitgeteilt, ihre letzten Anteile an dem Finanzkonzern abzustoßen, den sie nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman 2008 mit 182 Milliarden Dollar vor dem Aus gerettet hatte. Im Gegenzug für die Hilfen hatte der Staat Anteile an dem einst weltgrößten Versicherer erhalten, die er nach und nach wieder verkaufte.

Um 5,6 Prozent stiegen Aktien von Delta Air Lines. Die US-Fluggesellschaft erwirbt für 360 Millionen Dollar 49 Prozent an dem Rivalen Virgin Atlantic. Delta sichert sich damit vor allem begehrte Landerechte am Flughafen London Heathrow.

Papiere von TNS legten 43 Prozent auf 20,91 Dollar zu. Eine Investorengruppe um Siris Capital will den Datendienstleister für rund eine halbe Milliarde Dollar oder 21 Dollar je Aktie übernehmen. 76 Prozent im Plus notierten Somaxon Pharmaceuticals. Das Unternehmen Pernix Therapeutics will Somaxon per Aktientausch übernehmen.