Deutsche Konjunkturdaten geben Wall Street Auftrieb

Mittwoch, 12. Dezember 2012, 07:55 Uhr
 

New York (Reuters) - Überraschend gute Konjunkturdaten aus Deutschland und Bewegung im US-Haushaltsstreit haben die Wall Street am Dienstag beflügelt.

Die Verhandlungen zwischen Präsident Barack Obamas Demokraten und den Republikanern nähmen an Fahrt auf, stellten Händler erfreut fest. Immerhin hätten die Republikaner Obama zu einem Gegenvorschlag zu ihren eigenen Ideen aufgefordert, sagte Frank Davis von LEK Securities. Das sei ein gewisser Fortschritt. Grund für Zuversicht sahen die Anleger auch in dem stark gestiegenen Vertrauen von Finanzprofis in die deutsche Wirtschaft. Zudem trieben Schnäppchenjäger vor allem Technologiewerte wie Apple an.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 0,6 Prozent höher bei 13.248 Stellen aus dem Handel. Er pendelte im Verlauf zwischen einem Hoch von 13.306 und einem Tief von 13.170 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,7 Prozent auf 1427 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 1,2 Prozent auf 3022 Punkte. In Frankfurt schloss der Dax mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 7589 Stellen.

Das deutsche ZEW-Barometer für die Entwicklung der Konjunktur in den kommenden sechs Monaten stieg im Dezember zur Überraschung fast aller Experten auf plus 6,9 von minus 15,7 Punkten. Dies ist der beste Wert seit Mai. Deutschland bliebe damit eine Rezession erspart. Mit Spannung blickten die Investoren auch auf die am Dienstag beginnenden Beratungen der US-Notenbank. Es wird erwartet, dass die Fed am Mittwoch neue Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft bekanntgeben wird.

Insgesamt hat an den US-Börsen aber die Zeit begonnen, in der der Handel mit Blick auf die Weihnachtsferien und den bevorstehenden Jahreswechsel mehr und mehr abebbt. Die Anleger griffen allerdings bei Aktien aus der Technologiebranche kräftig zu. Diese wurden zuletzt aus Furcht vor den Folgen von Steuererhöhungen abgestoßen, die bei einem Scheitern der US-Haushaltsverhandlungen zum Jahresende drohen.

Nach der jüngsten Kurs-Talfahrt von Apple gehörte der iPhone-Hersteller am Dienstag zu den Gewinnern im Tech-Sektor. Die Anteile legten 2,2 Prozent zu. Die Papiere des Chipriesen Intel gewannen 2,8 Prozent. Schnäppchenjäger setzten auf ein Anziehen des Marktes im neuen Jahr, sagte Analyst Michael Sheldon von RDM Financial. Texas-Instruments-Aktiennotierten vier Prozent höher, Microsoft-Papiere verteuerten sich um 1,4 Prozent.

Die Titel von AIG legten 5,7 Prozent zu. Die US-Regierung hat mitgeteilt, ihre letzten Anteile an dem Finanzkonzern abzustoßen, den sie nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman 2008 mit 182 Milliarden Dollar vor dem Aus gerettet hatte. Im Gegenzug für die Hilfen hatte der Staat Anteile an dem einst weltgrößten Versicherer erhalten, die er nach und nach wieder verkaufte.

Um 5,2 Prozent stiegen Aktien von Delta Air Lines. Die US-Fluggesellschaft erwirbt für 360 Millionen Dollar 49 Prozent an dem Rivalen Virgin Atlantic. Delta sichert sich damit vor allem begehrte Landerechte am Flughafen London Heathrow. Papiere von TNS legten fast 43 Prozent auf 20,76 Dollar zu. Eine Investorengruppe um Siris Capital will den Datendienstleister für rund eine halbe Milliarde Dollar oder 21 Dollar je Aktie übernehmen. Mehr als 80 Prozent im Plus notierten Somaxon Pharmaceuticals. Pernix Therapeuticswill Somaxon per Aktientausch übernehmen.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 691 Millionen Aktien den Besitzer. 2030 Werte legten zu, 967 gaben nach und 111 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,9 Milliarden Aktien 1766 Titel im Plus, 714 im Minus und 117 unverändert.