Euro vor Fed-Entscheidung höher - Bondmarkt entspannt

Mittwoch, 12. Dezember 2012, 14:37 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Euro hat am Mittwoch von der Aussicht auf weiterhin billiges Geld in den USA und Japan profitiert.

Die Gemeinschaftswährung stieg bis zum Nachmittag um etwa einen halben US-Cent auf 1,3050 Dollar. Zum Yen kletterte der Euro auf 107,98 Yen von 107,28 Yen am Vorabend und notierte damit so hoch wie seit acht Monaten nicht mehr. "Die Leute verkaufen Dollars, da sie es für möglich halten, dass die Fed ihre Geldpolitik mehr als erwartet lockern könnte", erklärte Niels Christensen, Währungsstratege bei Nordea in Kopenhagen. Beim Yen setzen viele Anleger darauf, dass sich die Bank of Japan nach den Parlamentswahlen am Sonntag zu einer weiteren Lockerung entschließt.

Die Fed wird nach Einschätzung der meisten Analysten nicht nur an ihrer Nullzinspolitik festhalten, sondern auch die geldpolitischen Scheunentore wieder öffnen. Das Loch, das Ende des Jahres durch das auslaufende "Twist"-Programm - Verkauf kurzfristiger Staatsanleihen zum Kauf langfristiger Papiere - entsteht, werde mit neuen quantitativen Maßnahmen (QE3) gestopft, erwarten die Analysten. Da die meisten Marktteilnehmer darauf setzten, sei ein stärkerer Dollar-Rückgang aber nicht mehr zu erwarten, vermutet Commerzbank-Analystin Carolin Hecht.

Nordeas Christensen hält einen stärkeren Rückgang des Dollarkurses nur für wahrscheinlich, falls die Fed tatsächlich ein höheres Volumen für die Anleihe-Käufe beschließen sollte. Von Reuters befragte Analysten rechnen damit, dass die Notenbank monatlich Bonds für mindestens 45 Milliarden Euro zurückkaufen will. Sollte die Fed zunächst stillhalten, würde sich der Dollar nach Einschätzung von Helaba-Analyst Ralf Umlauf kurzfristig deutlich erholen.

Die Fed gibt ihre Entscheidung am Abend (18.30 Uhr MEZ) bekannt. Die Pressekonferenz von Fed-Chef Ben Bernanke beginnt um 20.15 Uhr MEZ.

Auch in Tokio wird darauf spekuliert, dass die Bank of Japan (BoJ) bald wieder die Notenpresse anwerfen wird. Denn am Sonntag wird in Japan ein neues Parlament gewählt. Den Umfragen zufolge ist ein deutlicher Sieg der oppositionellen Liberaldemokratischen Partei (LDP) von Ex-Ministerpräsident Shinzo Abe wahrscheinlich. Abe hatte sich vor kurzem vehement für eine Lockerung der Geldpolitik starkgemacht - selbst wenn dies zu negativen Zinsen führen würde, da die Leitzinsen schon bei null Prozent liegen. Seither hat der Yen nachgegeben, da sich die BoJ dem Druck der Politik kaum wird entziehen können. Der Yen werde daher vermutlich weiter nachgeben, erklärte ein Händler. Kurse von über 90 Yen je Dollar seien Mitte nächsten Jahres möglich. Am Mittwoch kletterte die US-Devisen zeitweise auf ein Acht-Monats-Hoch von 82,93 Yen.

ANLEGER SEHEN BERLUSCONIS COMEBACK-CHANCEN GELASSENER

Die Euro-Schuldenkrise rückt an den Devisen- und Anleihemärkten dagegen wieder etwas in den Hintergrund. Vor allem die italienischen Anleihen konnten einen Teil der Verluste aufholen, die sie nach der Rücktrittsankündigung des römischen Ministerpräsidenten Mario Monti erlitten hatten. Am Mittwoch gaben die Renditen der zehnjährigen Anleihen auf 4,66 von 4,74 Prozent nach. Die Aussicht auf ein Comeback von Montis Vorgänger Silvio Berlusconi hatte zunächst die Anleger in großem Stil aus den italienischen Anleihen vertrieben. Sie fürchteten, dass mit Monti auch die Sparbemühungen Italiens über Bord gehen würden. Doch inzwischen zweifeln viele Börsianer, dass Berlusconi noch einen großen Rückhalt in der Bevölkerung hat und tatsächlich seinen Nachfolger selbst beerben kann.

So griffen die Investoren am Mittwoch wieder zu, als das italienische Finanzministerium Einjahrs-Papiere im Volumen von 6,5 Milliarden Euro anbot. Die Renditen sanken auf das niedrigste Niveau seit März. "das ist ein gutes Signal", erklärte ein Händler.

Im Gegenzug ließen die Anleger die als sicher geltenden deutsche Bundesanleihen links liegen. Der Bund-Future fiel um 19 Ticks auf 145,22 Punkte.