"Vorbescherung" am Aktienmarkt - Dax über 7600 Punkten

Mittwoch, 12. Dezember 2012, 15:29 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Aktienanleger in Festtagslaune: Dank der Hoffnung auf eine gute Entwicklung der US-Wirtschaft setzte der Dax die Rally der letzten Tage fort und knackte am Mittwoch die Marke von 7600 Punkten.

Seit Mitte November hat der deutsche Leitindex damit bereits knapp zehn Prozent gewonnen, seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf rund 30 Prozent. Am Nachmittag notierte der Dax 0,4 Prozent höher bei 7617 Punkten - der höchste Stand seit fast fünf Jahren.

"Die Anleger sind schon in der Vorbescherungs-Phase", sagte ein Händler. "Sie verfügen über billiges Geld, hoffen auf einen Kompromiss im US-Haushaltsstreit und auf frischen Schwung für die Konjunktur im neuen Jahr." Außerdem setzen Investoren auf neue Impulse von der US-Notenbank Fed. Viele gehen davon aus, dass sie am Abend ein neues Anleihenkaufprogramm verkünden wird.

FUSIONSSPEKULATIONEN KÖNNTEN MDAX WEITER ANTREIBEN

Der Optimismus der Anleger spiegelte sich auch im MDax wider, der zeitweise auf ein Allzeithoch von über 12.000 Punkten stieg. Seit Januar hat der Nebenwerteindex mehr als 30 Prozent gewonnen. "Anders als dem Dax traue ich dem MDax auch in den kommenden Monaten noch deutliche Kursgewinne zu", sagte ein Börsianer. "Unter anderem, weil da einige Unternehmen drin sind, die weiter von Übernahmefantasien profitieren dürften." Als Beispiele nannte er Leoni, Kuka oder Stada.

Mit ihrer guten Stimmung waren die Investoren in Deutschland nicht allein. Der europäische EuroStoxx50 schaffte ein Plus von 0,2 Prozent auf ein Jahreshoch von 2629 Punkten. Auch die Börsen der schuldengeplagten Länder Italien, Spanien, Portugal und Griechenland lagen allesamt im Plus, der französische Leitindex notierte nahezu unverändert. An den US-Börsen zeichnete sich ebenfalls ein guter Handelsstart ab.

Angesichts der wochenlangen Rally warnen die ersten Börsianer allerdings vor einer Überhitzung. "Allmählich ist der Markt überkauft, und das passiert wirklich nicht oft", sagte Händler Patrice Perois von Kepler Capital Markets in Paris. "Wir sind reif für eine Pause, und vielleicht auch für einen Rücksetzer."

AUFHOLPOTENZIAL BEI WACKER CHEMIE GESEHEN

Bei den Einzelwerten im Dax stachen ThyssenKrupp-Aktien heraus, die fast vier Prozent nach oben schossen. Bereits am Vortag hatten die Papiere des Stahlunternehmens trotz eines Milliarden-Verlustes im laufenden Jahr 5,6 Prozent gewonnen. Anleger spekulierten darauf, dass der Konzern sich erfolgreich aus der Krise kämpfe, erklärten Börsianer.

Außerdem deckten sich Investoren mit Aktien von Wacker Chemie ein, die im MDax um zehn Prozent anzogen. "Anleger hoffen auf ein besseres Chemie-Geschäft, und mit Blick auf technische Faktoren setzten sie jetzt auf ein Pferd, das bislang nicht im Rennen war", sagte ein Händler. Wacker-Aktien haben sich im Jahresverlauf deutlich schlechter entwickelt als der europäische Chemie-Sektor. Das Unternehmen ist wegen seiner Polysilizium-Sparte stark im Solarmarkt engagiert und hat im bisherigen Jahresverlauf das Misstrauen der Anleger gegenüber dieser Branche zu spüren bekommen. Seit Jahresbeginn haben die Titel rund 30 Prozent an Wert verloren, der europäische Chemie-Branchenindex legte dagegen rund 30 Prozent zu.

Ihre Abneigung gegen Solarwerte legten Investoren am Mittwoch auch im TecDax beiseite. Die Titel von Solarworld schossen zeitweise um mehr als zehn Prozent nach oben. Börsianer machten dafür vor allem positive Signale vom US-Markt verantwortlich. Vorstandschef Frank Asbeck sagte, das Geschäft auf der anderen Seite des Atlantiks laufe derzeit besser als in Deutschland. Im Schlepptau von Solarworld gewannen die Aktien von SMA Solar 2,4 Prozent.