Hoffnung auf Fed-Geschenke - Dax über 7600-Punkte-Marke

Mittwoch, 12. Dezember 2012, 20:00 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Hoffnung auf einen neuen Geldsegen durch die US-Notenbank hat die europäischen Aktienmärkte am Mittwoch weiter nach oben getrieben.

Der Dax knackte die Marke von 7600 Punkten und schloss 0,3 Prozent fester bei 7614,79 Zählern. Seit Mitte November hat der deutsche Leitindex damit bereits knapp zehn Prozent gewonnen, seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf rund 30 Prozent. Der EuroStoxx50 kletterte um 0,2 Prozent auf 2630 Zähler. Die US-Börsen verzeichneten ebenfalls leichte Gewinne.

Viele Anleger warteten gespannt auf die Federal Reserve, die nach dem europäischen Börsenschluss die Ergebnisse ihrer zweitägigen Beratungen verkünden wollte. Experten gingen davon aus, dass die Notenbank monatliche Anleihe-Käufe im Volumen von mindestens 45 Milliarden Dollar beschließt. Wenn die Fed diesen Schritt verkünde und auch noch der US-Haushaltsstreit beigelegt werde, sei die Marke von 7800 Punkten für den Dax vor Weihnachten keine Utopie mehr, sagte ein Börsianer.

Der Optimismus der Anleger spiegelte sich auch im MDax wider, der zeitweise auf ein Allzeithoch von über 12.000 Punkten stieg. Seit Januar hat der Nebenwerteindex mehr als 30 Prozent gewonnen. "Anders als dem Dax traue ich dem MDax auch in den kommenden Monaten noch deutliche Kursgewinne zu", sagte ein Händler. "Unter anderem, weil da einige Unternehmen drin sind, die weiter von Übernahmefantasien profitieren dürften." Als Beispiele nannte er Leoni, Kuka oder Stada.

HUGO-BOSS-AKTIE STÜRZT AB - THYSSENKRUPP WEITER GEFRAGT

Rätselraten herrschte unter Börsianern allerdings über den plötzlichen Absturz der Hugo-Boss-Aktie am späten Nachmittag. Die Titel fielen im MDax steil um 5,5 Prozent auf 77,52 Euro und wurden vom elektronischen Handel ausgesetzt. In der Schlussauktion verringerte sich das Kursminus dann auf 2,5 Prozent bei 80 Euro.

Einen Bogen machten Anleger zudem um Titel derjenigen Firmen, deren Geschäfte weniger stark von der Konjunktur abhängig sind. Fresenius Medical Care, Merck und Henkel gehörten mit Abschlägen zwischen 0,8 und 0,4 Prozent zu den größten Dax-Verlierern.

Auf der Gewinnerseite stachen ThyssenKrupp heraus, die um 3,8 Prozent nach oben gingen. Bereits am Dienstag hatten die Papiere des Stahlkonzerns trotz eines Milliarden-Verlustes im vergangenen Geschäftsjahr 5,6 Prozent gewonnen. Anleger spekulierten darauf, dass sich das Unternehmen erfolgreich aus der Krise kämpfe, erklärten Börsianer.

Außerdem deckten sich Investoren mit Aktien von Wacker Chemie ein, die im MDax um über zwölf Prozent anzogen. "Anleger hoffen auf ein besseres Chemie-Geschäft, und mit Blick auf technische Faktoren setzten sie jetzt auf ein Pferd, das bislang nicht im Rennen war", sagte ein Händler. Das Unternehmen ist wegen seiner Polysilizium-Sparte stark im Solarmarkt engagiert und hat im bisherigen Jahresverlauf das Misstrauen der Anleger gegenüber dieser Branche zu spüren bekommen. Seit Jahresbeginn haben die Titel rund 30 Prozent an Wert verloren, der europäische Chemie-Branchenindex legte dagegen rund 30 Prozent zu.

Ihre Abneigung gegen Solarwerte legten Investoren am Mittwoch auch im TecDax beiseite. Die Titel von Solarworld schossen um 8,2 Prozent nach oben. Börsianer machten dafür vor allem positive Signale vom US-Markt verantwortlich. Vorstandschef Frank Asbeck sagte, das Geschäft auf der anderen Seite des Atlantiks laufe derzeit besser als in Deutschland. Im Schlepptau von Solarworld gewannen die Aktien von SMA Solar 6,3 Prozent.

An der Pariser Börse standen die Anteilsscheine von PSA Peugeot Citroen im Fokus, die um zehn Prozent zulegten. Aus Diplomatenkreisen hieß es, während des Besuchs von Frankreichs Präsident Francois Holland in der kommenden Woche in Algerien solle über einen Einstieg der ehemaligen französischen Kolonie beim Autobauer gesprochen werden. Die Peugeot-Aktie hatte bereits zugelegt, nachdem der Konzern verkündet hatte, zusätzlich zu den bereits beschlossenen 10.000 Stellen weitere 1500 Jobs zu streichen.