Europas Aktien geben nach - Fed-Effekt verpufft

Donnerstag, 13. Dezember 2012, 10:55 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Mangelnde Fortschritte bei den US-Haushaltsverhandlungen haben die erneute Fed-Geldspritze zur Ankurbelung der Konjunktur am Donnerstag überschattet.

Einige Anleger nutzten die Gelegenheit, um vor den Wochenende Gewinne mitzunehmen. Der Dax, der in den vergangenen vier Wochen um rund 700 Zähler zugelegt hat, verlor 0,4 Prozent auf 7582 Punkte. Der EuroStoxx50 notierte knapp im Minus bei 2629 Zählern.

"Es sieht immer mehr danach aus, dass die Politiker vor Weihnachten keinen Kompromiss finden werden", schrieb Marktanalyst Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler. "Die würde bedeuten, dass die Chancen für weitere Kursgewinne auf dem Börsenparkett gering sind."

Teilnehmer der US-Haushaltsverhandlungen hatten angedeutet, dass sich die Gespräche bis nach den Feiertagen hinziehen könnten. Sollten sich Demokraten und Republikaner nicht auf einen neuen Etat verständigen, drohen zum Jahreswechsel automatische Ausgabenkürzungen. Außerdem laufen Steuererleichterungen aus. Experten fürchten, dass die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte "Fiskalklippe" in die Rezession stürzen könnte.

Unterdessen öffnete die US-Notenbank Fed ihre Geldschleusen noch weiter. Im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit verdoppelt sie das Volumen ihres Wertpapier-Ankaufprogramms auf 85 Milliarden Dollar monatlich. Die Analysten der Credit Agricole bezweifelten allerdings, dass die Fed damit einen eventuellen Sturz der USA von der "Fiskalklippe" auffangen kann.

FAVORITEN DER VERGANGENEN TAGE UNTER DRUCK

Zu den größten Verlierern im Dax zählten diejenigen Werte, die in den vergangenen Tagen besonders stark zugelegt hatten. So gaben ThyssenKrupp 2,8 Prozent auf 17,33 Euro nach. In den beiden vorangegangenen Tagen hatte die Hoffnung der Anleger auf einen Neuanfang und eine erfolgreiche Sanierung die Aktie um knapp zehn Prozent in die Höhe getrieben.

Auch bei den im Nebenwerte-Index MDax gelisteten Aktien von Wacker Chemie machten Investoren Kasse und drückten die Papiere 3,1 Prozent ins Minus auf 47,11 Euro. Am Mittwoch waren sie noch um zwölf Prozent gestiegen. Befeuert wurde die Rally unter anderem von einer leichten Anhebung der Gewinnerwartung durch den Konkurrenten DuPont.

Unter Verkaufsdruck standen die Versorger nach einer Herunterstufung durch Nomura. Die Aussichten für die Branchen seien trübe, schrieb Analyst Martin Young in einem Kommentar. Er rechne mit sinkenden Strompreisen. Er stufte RWE und E.ON jeweils auf "Reduce" von "Neutral" herunter. Die Aktien der beiden Konzerne gaben daraufhin um 2,5 und 0,8 Prozent nach.