Dax-Anleger machen nach Fed-Bescherung Verschnaufpause

Donnerstag, 13. Dezember 2012, 19:03 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - So ganz trauen die Anleger an Europas Aktienmärkten dem vorweihnachtlichen Frieden der vergangenen Tage offenbar nicht.

Denn nachdem die Fed am Vorabend dem Wunsch nach milliardenschweren Konjunkturspritzen am Vorabend nachgekommen war, gingen viele Investoren am Donnerstag wieder auf Nummer sicher. Entweder entschieden sie sich für Gewinnmitnahmen oder aber sie hielten sich ganz zurück. Ob in New York an der Wall Street oder in Frankfurt am Main - bei geringen Umsätzen gaben die großen Börsenindizes leicht nach. Für neuen Gesprächsstoff sorgte die Deutsche Bank, die die Anleger auf hohe Gewinn-Belastungen im vierten Quartal vorbereitete.

"Die Stimmung war zuletzt schon zu gut, um noch wahr zu sein", sagte ein Händler. "Das macht mir eher Angst", sagte ein zweiter. Allein der Dax hat in den vergangenen vier Wochen rund 700 Zähler gewonnen und am Mittwoch mit 7626 Punkten sogar so hoch wie seit fast fünf Jahren nicht mehr notiert. Das Minus von 0,4 Prozent am Donnerstag auf 7581 Zähler fiel vor diesem Hintergrund moderat aus. Auf Jahressicht weist der Leitindex damit immer noch ein Plus von mehr als 28 Prozent aus - übrigens deutlich mehr als der Dow-Jones-Index und der S&P500, die auf Jahressicht etwa acht beziehungsweise 13 Prozent zulegten. Beide Indizes gaben am Donnerstag bis zum Handelsschluss in Europa ebenfalls geringfügig nach. Der EuroStoxx50 büßte 0,3 Prozent ein. In Madrid, Mailand und Wien zogen die Kurse dagegen leicht an.

Als Grund für die Zurückhaltung der Anleger nannten Händler den Streit in den USA um die Haushaltspolitik. Noch scheinen die Fronten zwischen Demokraten und Republikaner ziemlich verhärtet zu sein. Zwar rechnen die meisten Analysten immer noch mit einer Einigung - wenn auch möglicherweise in letzter Minute. Aber ein Rest Unsicherheit bleibe. Sollten sich die Kontrahenten in Washington bis Ende des Jahres nicht auf einen Kompromiss einigen, treten massive Ausgabekürzungen und Steuererhöhungen in Kraft, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten. Davor könnte selbst die weitere Öffnung der Geldschleusen der Fed die USA kaum bewahren.

IATA-PROGNOSE GIBT LUFTHANSA-AKTIEN FRISCHEN SCHUB

Die Deutsche Bank blieb am Donnerstag im Fokus der Anleger - und nicht nur wegen der am Vortag vorgenommen Großrazzia. Der laufenden Umbau des Instituts - unter anderem die Integration der Postbank - werde "signifikant negative" Auswirkungen auf den Gewinn haben, warnte das Institut. Die Aktien gingen mit einem Minus von 2,7 Prozent auf 33,34 Euro als Schlusslicht im Dax aus dem Handel.

Unter Verkaufsdruck standen daneben nach einer entsprechenden Empfehlung durch Nomura die Aktien von RWE, die 2,6 Prozent einbüßten. Die Aussichten für die Branche seien trüb, schrieb Analyst Martin Young in einem Kommentar. Er rechne mit sinkenden Strompreisen. Die E.ON-Aktien, die er ebenfalls herunterstufte, kamen mit einem Abschlag von 0,6 Prozent glimpflicher davon.

Zu den größten Dax-Verlierern zählten auch die Titel von ThyssenKrupp, die um ein Prozent nachgaben. In den beiden vorangegangenen Tagen hatte Hoffnungen auf einen Neuanfang und eine erfolgreiche Sanierung des Stahlkonzerns die Aktien noch um knapp zehn Prozent in die Höhe getrieben.

Auf der Gewinnerseite standen die Lufthansa-Titel mit einem Plus von 0,7 Prozent ganz oben. Der internationale Luftfahrtverbands Iata hatte seine Gewinnprognose für die Branche angehoben.

Auch bei den Nebenwerten im MDax machten die Anleger - allerdings recht vorsichtig - Kasse. Der Index, der am Vortag zeitweise ein Allzeithoch von über 12.000 Zählern aufgestellt hatte, verlor 0,2 Prozent auf 11.923 Punkte.

 
Traders are pictured at their desk in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange December 13, 2012. REUTERS/Remote/Pawel Kopczynski (GERMANY - Tags: BUSINESS)