Fed-Geldspritze hilft Euro nur kurz auf die Sprünge

Donnerstag, 13. Dezember 2012, 17:31 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die neuerliche Fed-Geldspritze zur Ankurbelung der US-Wirtschaft hat den Dollar nur kurzzeitig ins Straucheln gebracht.

Der Euro kletterte am Morgen zwar auf 1,31 Dollar, fiel im Tagesverlauf dann jedoch auf 1,3049 Dollar zurück. Wie die US-Notenbank am Mittwochabend angekündigt hatte, wird sie ihre Wertpapierkäufe ab Januar um 45 Milliarden Dollar auf 85 Milliarden pro Monat ausweiten. Gleichzeitig soll die künftige Zinspolitik der Fed an feste Zielmarken für Inflation und Beschäftigung gebunden werden.

"Vieles davon hatte der Markt schon vorweggenommen", sagt Helaba-Analyst Ralf Umlauf. "Das war alles nicht besonders überraschend - auch wenn es schon ein Novum ist, dass sich die Fed so konkrete Zielmarken für ihre Geldpolitik setzt."

Der Leitzins, der seit vier Jahren bei quasi null Prozent liegt, soll laut der US-Notenbank so lange nicht steigen, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent sinkt und auf Sicht von ein bis zwei Jahren eine Inflationsrate von höchstens 2,5 Prozent erwartet wird. Bis dato hatte die Fed erklärt, der Schlüsselzins werde voraussichtlich nicht vor Mitte 2015 wieder erhöht.

FED MACHT IHREM RUF ALS LIQUIDITÄTSFEUERWEHR ALLE EHRE

Die Notenbank wolle ihrem Ruf als Liquiditätsfeuerwehr wohl auch weiterhin um jeden Preis gerecht werden, urteilten die Analysten der Metzler Bank. Langfristig dürfte das den Dollar aus Sicht von Commerzbank-Experte Lutz Karpowitz jedoch belasten. "Es liegt (...) der Verdacht nahe, dass das FOMC mit den neuen Regeln eine expansive Geldpolitik auf Dauer festschreiben will (...)", schreibt der Experte in einem Kommentar. "Die Zeche dürfte dafür letztlich der US-Dollar zahlen."

Am Rentenmarkt behielten die Anleger die Euro-Sorgenkinder Spanien und Italien im Blick. Die Kurse spanischer Anleihen bröckelten nach einer Auktion langjähriger Papiere des Landes etwas ab. Die Rendite der bereits gehandelten zehnjährigen Papiere stieg auf 5,407 Prozent von 5,344 Prozent unmittelbar vor Bekanntgabe der Auktionsergebnisse. Die Überzeichnungsquote sehe zwar spektakulär aus, sagte Commerzbank-Zinsstratege Michael Leisters. Der "Tail" sei aber relativ groß ausgefallen. Darunter verstehen Börsianer die Spanne zwischen dem durchschnittlichen und dem niedrigsten akzeptierten Gebotspreis. Dies deutet darauf hin, dass einige Investoren versucht haben, den Preis zu drücken.

KEHRT BERLUSCONI NUN ZURÜCK ODER NICHT?

Auch Italien war am Donnerstag am Kapitalmarkt aktiv. Das hoch verschuldete Land verkaufte Papiere mit Laufzeit bis 2015 im Volumen von 3,494 Milliarden Euro. Die Durchschnittsrendite lag bei 2,5 Prozent, dies ist der niedrigste Stand seit Oktober 2010. "Die erfolgreiche Auktion zeigt, dass der Markt die politischen Probleme Italiens gut verdaut hat", sagte Alessandro Giansanti, Analyst bei ING.

Regierungschef Mario Monti hatte am Wochenende seinen Rückzug angekündigt, weshalb die Parlamentswahl vom Frühjahr auf den Februar 2013 vorgezogen wird. Nahezu zeitgleich erklärte Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, sich um das Amt des Regierungschefs bewerben zu wollen. Das nährte am Markt die Angst, dass die jüngsten Sparbemühungen des Landes wieder ins Leere laufen könnten. Am Mittwoch hatte Berlusconi seine Aussagen allerdings relativiert. Sollte Monti zur Parlamentswahl als Spitzenkandidat einer Koalition der "Gemäßigten" antreten, ziehe er seine Bewerbung für eine fünfte Amtszeit als Ministerpräsident zurück, erklärte der 76-Jährige.

Die Renditen der zehnjährigen italienischen Papiere, die zu Wochenanfang in die Höhe geschossen waren, notierten am Donnerstag nahezu unverändert bei 4,650 Prozent.