Schweizer Börse gibt nach - Fed-Geldspritze verpufft

Donnerstag, 13. Dezember 2012, 19:15 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Die Schweizer Börse hat am Donnerstag nachgegeben.

"Das Weihnachtsgeschenk der US-Notenbank ist verpufft", sagte ein Händler. Die Ankündigung der Fed, im kommenden Jahr monatlich Anleihen für bis zu 45 Milliarden Dollar aufzukaufen, stand Händlern zufolge im Schatten der fehlenden Fortschritte im US-Haushaltsstreit. Fed-Chef Ben Bernanke sagte, die Geldpolitik könne mögliche Schäden für die Wirtschaft durch den ungelösten US-Haushaltstreit nicht wettmachen. Zudem war an den Märkten eine weitere Geldspritze bereits eingepreist.

Auch die vierteljährliche geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sorgte nicht für Auftrieb. Die Notenbank hält wie erwartet am Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken und an ihrer Nullzinspolitik fest.

Der Leitindex SMI verlor 0,6 Prozent auf 6920 Zähler. Der breite SPI sank ebenfalls um 0,6 Prozent auf 6362 Punkte. Händler sprachen von einer Konsolidierung der jüngsten Gewinne. Am Vortag hatte der SMI erstmals sei mehr als vier Jahren die Marke von 7000 Zählern geknackt.

Die Aussichten werden von Analysten mehrheitlich positiv eingeschätzt. Die Schuldenprobleme in Europa und den USA könnten aber immer wieder für stärkere Kursschwankungen sorgen. In einem sich verbessernden makroökonomischen Umfeld und mit steigenden Unternehmensgewinnen dürften 2013 die Kursgewinnverhältnisse leicht steigen, erklärte Pictet-Stratege Alfred Roelli. Das dürfte den Aktienmärkten Auftrieb geben.

Die Aktien der Credit Suisse verloren 0,5 Prozent. Die UBS-Titel schwächten sich 1,1 Prozent ab. Die Grossbank muss Kreisen zufolge wegen des Libor-Skandals rund eine Milliarde Dollar Strafe in den USA und Grossbritannien zahlen. Ein entsprechender Vergleich könnte am Montag oder Dienstag geschlossen werden, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Auch eine Gewinnwarnung der Deutschen Bank wegen Sonderkosten im vierten Quartal drückte auf die Kurse der Banken.

Das endgültige Scheitern des Steuerabkommens mit Deutschland hatte hingegen kaum Einfluss. Das sei erwartet und bereits eingepreist gewesen, erklärten Händler. Die Schweizer Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf schliesst Nachverhandlungen aus.

Die als krisenresistent geltenden Pharmawerte Novartis und Roche sowie die Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestle gaben ebenfalls nach. Die Marktschwergewichte hatten jüngst den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren erreicht.

Uneinheitlich zeigten sich die Aktien zyklischer Firmen. Unter den Standardwerten waren ABB und Adecco die einzigen Gewinner. Gewinnmitnahmen drückten die Anteile von Richemont und Swatch 1,5 beziehungsweise zwei Prozent ins Minus. Die beiden Luxusgüterwerte hatten jüngst Rekordhochs erklommen.