DAX-VORSCHAU-Dax-Jahresplus als Weihnachtsgeschenk für Anleger

Freitag, 14. Dezember 2012, 12:36 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Vorweihnachtliche Ruhe und Besinnlichkeit werden in der neuen Woche wohl das Geschehen an den Aktienmärkten in Europa bestimmen.

In der letzten kompletten Handelswoche des Jahres dürften viele Anleger ihre Bücher schon geschlossen haben und 2012 ad acta gelegt haben. Bereits in den vergangenen Tagen hielten sich die Bewegungen am Aktienmarkt in Grenzen, der Dax legte in der zu Ende gehenden Woche bis Freitagmittag um rund ein Prozent zu.

Mit der Entwicklung der Aktienmärkte in diesem Jahr können sie zufrieden sein - trotz aller Widrigkeiten wie der nicht enden wollenden Euro-Schuldenkrise, der Schieflage Griechenlands und dem US-Haushaltsstreit. "Das ist der versöhnliche Ausklang eines schwierigen Jahres", resümiert Tobias Basse, Marktanalyst bei der NordLB. Da der Dax zuletzt so gut gelaufen sei, bestünde in den kommenden Wochen und Monaten aber die Gefahr von Kursverlusten. "Der Markt hat hohe Erwartungen an das Jahr 2013", fügt er hinzu. "Es könnte einen kleinen Rücksetzer geben, weil die Anleger so positiv gestimmt sind. Da besteht die Gefahr einer Enttäuschung." Ein Belastungsfaktor sei der noch immer ungelöste Haushaltsstreit in den USA. Sollten sich Republikaner und Demokraten dort nicht einigen können, drohen automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, die die USA in eine Rezession stürzen können. Für Unsicherheit sorgt nach Ansicht von Basse auch die weiter angespannte finanzielle Lage in Spanien und Italien. Seien diese Probleme geklärt, könne es auch noch einmal nach oben gehen, prognostizierte Basse.

Von Reuters befragte Analysten sehen den Dax Ende des Jahres bei 8200 Punkten. Zum jetzigen Stand von rund 7600 Punkten wäre das ein Aufschlag von knapp acht Prozent. "In unserem optimistischen Ausblick für 2013 gehen wir jedoch davon aus, dass die Dax-Bullen noch nicht müde sind, da vor allem monetäre Indikatoren weltweit positive Signale senden", prognostiziert Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank.

DAX IST DER MUSTERSCHÜLER EUROPAS

Vor allem die Investoren, die 2012 auf deutsche Aktien gesetzt haben, können sich über ein dickes Plus freuen. 2012 hat der Dax bisher fast 30 Prozent gewonnen, der Nebenwerteindex MDax sogar rund 34 Prozent. Seit dem Tiefpunkt an den Aktienmärkten im März 2009 nach der Lehman-Pleite ist der Dax sogar um mehr als 100 Prozent gestiegen. Die deutschen Aktien haben auch deshalb so stark abgeschnitten, weil die heimische Wirtschaft die Euro-Krise relativ gut meistert. Die Probleme in Europa machen eine ganze Reihe von großen, deutschen Unternehmen dadurch wett, dass sie viel nach Asien exportieren und so von steigenden Wachstumsraten in Schwellenländern profitieren.

Viele ausländische Indizes hinken Dax & Co. deshalb hinterher: Der US-Standardwerteindex Dow Jones hat 2012 bisher gut acht Prozent gewonnen, der japanische Nikkei kletterte immerhin um 15 Prozent und der EuroStoxx50 um 13 Prozent. Beachtlich ist auch, dass der griechische Leitindex rund ein Viertel gewonnen hat, nachdem er allerdings 2011 um rund die Hälfte abgestürzt war.

KONJUNKTURDATEN WEISEN DEN WEG INS KOMMENDE JAHR

Da Nachrichten von Unternehmen in der neuen Woche eher Mangelware sein dürften, richtet sich die Aufmerksamkeit der Börsianer vor allem auf Konjunkturdaten. Aus den USA steht am Montag unter anderem der Index der Federal Reserve von New York auf dem Programm, am Donnerstag werden das endgültige Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal und der Industrieindex der Fed von Philadelphia bekannt gegeben.

Aus Deutschland wird am Mittwoch der Ifo-Geschäftsklimaindex erwartet. "Wir gehen davon aus, dass sich die Erwartungen der Unternehmen im Dezember weiter verbessert haben", schreibt Christoph Weil von der Commerzbank in einem Kommentar. Von Reuters befragte Analysten rechnen mit einem Anstieg des Ifo-Index auf 102 Punkte von 101,4 Punkten im Vorjahr. "Steigen die Stimmungsindikatoren wie von uns und dem Konsens erwartet, dürfte auch die EZB die Konjunkturaussichten wieder etwas positiver einschätzen. Deshalb dürfte sie in diesem Fall die Leitzinsen auf der Ratssitzung im Januar nicht senken", prognostiziert Analyst Weil.

Einige Firmen warten in der neuen Woche mit Geschäftszahlen auf. So präsentiert der Touristikkonzern TUI am Mittwoch Ergebnisse, aus den USA legt der Softwarekonzern und SAP-Konkurrent Oracle am Dienstag Zahlen für das zweite Quartal vor.