US-Haushaltsstreit bremst Dax-Anstieg

Freitag, 14. Dezember 2012, 12:37 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Trotz zuversichtlich stimmender Konjunkturdaten aus China haben sich die Dax-Anleger am Freitag kaum aus der Deckung gewagt.

Der deutsche Leitindex lag mit einem Aufschlag von 0,3 Prozent auf 7604 Zähler nur knapp im Plus. Auch der Euro bewegte sich lediglich in Trippelschritten vorwärts. Belastend wirkte sich vor allem der anhaltende US-Haushaltsstreit aus: "Die Verhandlungen bis zur letzten Minute bringen Unsicherheit in den Markt und verleiten zu Gewinnmitnahmen", schrieb Roger Peeters, Analyst von Close Brothers Seydler, in einem Kommentar. Seit Jahresanfang hat der Dax um knapp 29 Prozent zugelegt.

Republikaner und Demokraten müssen bis Jahresende einen Kompromiss finden, sonst treten automatische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen im Volumen von rund 600 Milliarden Dollar in Kraft. Dies könnte die USA laut Experten in eine Rezession stürzen. Bislang scheinen die politischen Fronten aber verhärtet: Die Demokraten verlangen höhere Steuern für die Reichen, die Republikaner lehnen jede Steuererhöhung ab und argumentieren, dies wäre Gift für die Konjunktur.

CHINAS INDUSTRIE AUF ERHOLUNGSKURS

Erfreut nahmen die Anleger dagegen zur Kenntnis, dass sich Chinas Industrie weiter auf Erholungskurs befindet. Nach vorläufigen Daten ist der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC im Dezember auf 50,9 Punkte gestiegen - das ist der höchste Stand seit 14 Monaten. Dies gab auch den Preisen am Rohstoffmarkt Auftrieb: Das Nordsee-Öl Brent verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 108,70 Dollar je Barrel. Die Sorte WTI aus den USA kostete mit 86,67 Dollar 0,9 Prozent mehr. Das Industriemetall Kupfer notierte 0,4 Prozent höher bei 8106,50 Dollar je Tonne.

Auch der Euro profitierte zunächst von dem wiedererwachten Risikoappetit und stieg bis auf 1,3119 Dollar, den höchsten Stand seit Anfang Dezember. Im Handelsverlauf gab er seine Gewinne allerdings wieder ab und pendelte um seinen New Yorker Vortagesschluss von 1,3077 Dollar. So kurz vor Jahresschluss sei der Handel sehr volatil und nicht unbedingt immer nachrichtengetrieben, erklärte ein Händler.

Zu den größten Gewinnern am deutschen Aktienmarkt zählten Daimler mit einem Plus von 1,9 Prozent. Die Aussicht auf einen US-Absatzrekord von Mercedes trieb die Papiere an. Der Chef von Mercedes Benz USA, Steve Cannon, hatte am Donnerstag in Detroit gesagt, bis zum Jahresende würden mehr als 270.000 Fahrzeuge abgesetzt. "Solche Aussagen schaden den Aktien sicherlich nicht", sagte ein Händler. BMW notierten 0,9 Prozent fester, Volkswagen 0,2 Prozent.

VERKAUFSPLÄNE HELFEN FRESENIUS

Zugegriffen haben die Investoren auch bei Fresenius. Der Gesundheitskonzern will sich von seiner verlustbringenden Biotechnologie-Tochter trennen und führt derzeit Gespräche mit mehreren Interessenten über einen Verkauf. Die Aktien verteuerten sich um 1,6 Prozent. "Die Anleger honorieren die Konzentration auf das Kerngeschäft", sagte ein Börsianer. "Außerdem bringt ein Verkauf Geld ein und das gefällt Investoren."

Auf der Verliererseite standen erneut die Aktien der Deutschen Bank. Die Papiere rutschen um bis zu 3,7 Prozent auf 32,12 Euro ab. Seit Mittwoch haben sie mehr als sechs Prozent an Wert eingebüßt. "Da kommt alles zusammen: Die gestrige Gewinnwarnung, die Ermittlungen wegen möglichen Steuerbetrugs und der Kirch-Prozess. Da sind offenbar einige Fondsmanager heute morgen aus ihren Meetings gekommen und verkaufen die Papiere", sagte ein Händler. In dem am Freitag fortgesetzten Kirch-Prozess könnte das Oberlandesgericht München die Deutsche Bank zu Schadenersatz verurteilen. Das Finanzinstitut liegt mit den Erben des untergegangenen Medienkonzerns Kirch seit Jahren im Streit. Commerzbank-Papiere notierten mit einem Aufschlag von 0,1 Prozent knapp im Plus.