Atempause nach Kursrally an Europas Börsen

Freitag, 14. Dezember 2012, 18:04 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Wegen des ungelösten US-Haushaltsstreit haben sich Aktienanleger an Europas Börsen zum Wochenschluss zurückgehalten.

Der Dax konnte seinen Aufwärtstrend dennoch fortsetzen und schloss 0,2 Prozent fester bei 7596,47 Zählern. Auf Wochensicht legte das Börsenbarometer ein Prozent zu und verzeichnete zeitweise den höchsten Stand seit fast fünf Jahren. Die Luft am deutschen Aktienmarkt werde zwar dünner, aber das geschehe auf einem hohen Niveau, bemerkte Marktbeobachter Gregor Kuhn von IG Markets. Ein überschaubarer Rücksetzer sollte niemanden wirklich überraschen. Der EuroStoxx50 beendete den Tag 0,1 Prozent fester bei 2630 Punkten.

Belastend auf die Aktienmärkte wirkte sich vor allem der US-Haushaltsstreit aus. Republikaner und Demokraten müssen bis Jahresende einen Kompromiss finden, sonst treten automatische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen im Volumen von rund 600 Milliarden Dollar in Kraft. Dies könnte die USA laut Experten in eine Rezession stürzen. Bislang scheinen die politischen Fronten aber verhärtet: Die Demokraten verlangen höhere Steuern für die Reichen, die Republikaner lehnen jede Steuererhöhung ab und argumentieren, dies wäre Gift für die Konjunktur. Ein hochrangiger Abgeordneter der Demokraten brachte am Freitag eine Zwischenlösung ins Gespräch. Wenn bis zur Jahreswende fristgerecht eine Grundsatzeinigung mit den Republikanern gelänge, könnten die Details auch noch im kommenden Jahr ausgehandelt werden, sagte Steny Hoyer in einem TV-Interview.

Neue Konjunkturdaten aus den USA sandten gemischte Signale aus. So fuhren die Unternehmen ihre Produktion im November so deutlich hoch wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Zugleich fielen die Verbraucherpreise zuletzt stärker als gedacht. Angesichts der niedrigen Inflation dürfte die US-Notenbank an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festhalten. Die Aussicht auf eine weitere Geldflut setzte den Dollar unter Druck, der gegenüber Euro und Yen nachgab. Dr Euro notierte bei 1,3135 Dollar nach 1,3077 Dollar am Vorabend in New York. Die US-Börsen notierten uneinheitlich.

Erfreut nahmen die Anleger dagegen zur Kenntnis, dass sich Chinas Industrie weiter auf Erholungskurs befindet. Nach vorläufigen Daten ist der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC im Dezember auf 50,9 Punkte gestiegen - das ist der höchste Stand seit 14 Monaten. Dies gab auch den Preisen am Rohstoffmarkt Auftrieb: Das Nordsee-Öl Brent verteuerte sich um ein Prozent auf 109,01 Dollar je Barrel. Die Sorte WTI aus den USA kostete mit 86,50 Dollar 0,7 Prozent mehr.

AUSSICHT AUF ABSATZREKORD IN USA TREIBT DAIMLER

Die größten Gewinner am deutschen Aktienmarkt waren Daimler mit einem Plus von 2,5 Prozent. Die Aussicht auf einen US-Absatzrekord von Mercedes trieb die Papiere an. Der Chef von Mercedes Benz USA, Steve Cannon, hatte am Donnerstag in Detroit gesagt, bis zum Jahresende würden mehr als 270.000 Fahrzeuge abgesetzt. "Solche Aussagen schaden den Aktien sicherlich nicht", sagte ein Händler. BMW schlossen 1,3 Prozent fester, Volkswagen 0,3 Prozent.

Auf der Verliererseite standen erneut die Aktien der Deutschen Bank. Die Papiere rutschen um 2,1 ab und haben in dieser Woche mit 5,5 Prozent so deutlich verloren wie kein anderer Dax-Wert. "Da kommt alles zusammen: Die gestrige Gewinnwarnung, die Ermittlungen wegen möglichen Steuerbetrugs und der Kirch-Prozess. Da sind offenbar einige Fondsmanager heute morgen aus ihren Meetings gekommen und verkaufen die Papiere", sagte ein Händler. Das Oberlandesgericht München urteilte, dass die Bank den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch Schadenersatz zahlen muss. Über die Höhe müsse ein Gutachten entscheiden. Der im vergangenen Jahr verstorbene Kirch hatte der Deutschen Bank vorgeworfen, sie habe 2002 durch Äußerungen des damaligen Bankchefs Rolf Breuer seine Kreditwürdigkeit in Zweifel gezogen und damit den Zusammenbruch seines Konzerns ausgelöst.

Im Pariser Leitindex legten die Papiere von Alcatel-Lucent mit sieben Prozent am deutlichsten zu. Der Verluste schreibende Telekom-Ausrüster verschaffte sich mit einem 1,6 Milliarden Euro schweren Kredit Zeit für seinen Sparkurs.

In Mailand verloren Fiat-Titel 1,9 Prozent. Der Autokonzern dementierte einen Medienbericht, wonach er zur vollständigen Übernahme von Chrysler eine milliardenschwere Kapitalerhöhung plane. Eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte Reuters allerdings, es gebe Verhandlungen mit Kreditinstituten.

AkzoNobel gewannen in Amsterdam 7,1 Prozent. Der BASF-Rivale verkauft sein Geschäft mit dekorativen Farben in Nordamerika für 1,1 Milliarden Dollar und will sich stärker auf Europa konzentrieren.

 
Traders are pictured at their desk in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange December 13, 2012. REUTERS/Remote/Pawel Kopczynski (GERMANY - Tags: BUSINESS)