Haushaltsstreit ruiniert Festtage der US-Börsenhändler

Samstag, 15. Dezember 2012, 12:38 Uhr
 

New York (Reuters) - Normalerweise geht es in den letzten zwei Wochen des Jahres an den US-Börsen ruhiger zu. Aber dieses Jahr ist es anders: Wegen des anhaltenden Streits in Washington über den Haushalt werden einige Händler und Analysten auf die Weihnachtsferien verzichten.

"Viele Firmen sagen ihren Händlern, 'Ihr könnt euch über Weihnachten ein paar Tage frei nehmen, aber ihr habt Bereitschaft, falls irgendwas passiert'", sagt J.J. Kinahan von TD Ameritrade. Gordon Charlop von Rosenblatt Securities berichtet von Schichtdiensten über die Feiertage. Am Freitag dürfte der vierfache Hexensabbat für eine hohe Volatilität an der Wall Street sorgen.

Sollten die Republikaner und Demokraten im Kongress keine Einigung im Haushaltsstreit erzielen, drohen zum Jahreswechsel automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Volumen von etwa 600 Milliarden Dollar. Experten befürchten, dass die konsumabhängige US-Wirtschaft damit in eine Rezession gestürzt werden könnte. Die Furcht vor diesem "fiscal cliff" - der Fiskalklippe - beherrscht seit Wochen den Handel. Eine Einigung ist weiter nicht in Sicht. Die jüngsten Gespräche zwischen Präsident Barack Obama und seinem republikanischen Gegenspieler, dem Präsident des Repräsentantenhauses John Boehner, ergaben keine Fortschritte.

Als Teil der Fiskalklippe würden auch empfindlich höhere Steuern auf Kapitalerträge und Dividenden eingeführt. Das könnte dazu führen, dass Investoren sich bis Jahresende von gewissen Aktien trennen, um steuerlich günstiger darzustehen. Dies könnte laut Marktteilnehmern auch für die jüngsten Kursverluste von Apple mitverantwortlich sein. Die Papiere des Mac- und iPhone-Herstellers haben seit September ein Viertel ihres Wertes verloren, liegen im Jahresvergleich jedoch immer noch 23 Prozent im Plus.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Freitag mit einem Minus von 0,3 Prozent bei 13.135 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index fiel 0,4 Prozent bei 1413 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,7 Prozent und ging mit 2971 Punkten aus dem Handel. Alle Indizes schlossen die Woche mit Verlusten ab: Der Dow und Nasdaq fielen je 0,2 Prozent, der S&P büßte 0,3 Prozent ein. In Frankfurt ging der Dax 0,2 Prozent fester bei 7596 Punkten aus dem Handel.