Dax klettert kurz auf Jahreshoch - US-Etatstreit bremst

Montag, 17. Dezember 2012, 11:12 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das Hick-Hack um den US-Haushalt hat zum Auftakt der letzten vollen Handelswoche des Jahres die europäischen Aktienmärkte erneut verunsichert.

Der Dax kletterte zwar kurzzeitig auf ein Fünf-Jahres-Hoch von 7627,14 Punkten, drehte dann aber knapp ins Minus und notierte am späten Vormittag bei 7584 Zählern. Der EuroStoxx50 konnte seine Anfangsgewinne ebenfalls nicht halten und verlor 0,4 Prozent auf 2620 Punkte.

In den USA stünden die Chancen für eine vorübergehende Anhebung der Schulden-Obergrenze derzeit zwar bei 90 Prozent, sagte Anlage-Strategin Michala Marcussen von der Societe Generale. "Aber jeder Tag der Tatenlosigkeit verringert diese Zahl." Das Angebot einer Steuer-Erhöhung für Einkommensmillionäre durch die Republikaner wertete sie grundsätzlich positiv, allerdings liege die Schwelle deutlich höher als beim Obama-Lager, das bereits Einkommen ab 250.000 Dollar jährlich stärker zur Kasse bitten will. "Das würde ein Loch in Obamas Ziel von 1,4 Billionen Dollar an Steuer-Mehreinnahmen reißen", betonte Marcussen.

Auch die Analysten der National-Bank bezweifelten, dass sich die Demokraten auf den Vorschlag der Republikaner einlassen. Schließlich sei dieser an Kürzungen von Sozial-Leistungen geknüpft. "Obwohl sich die Verhandlungsparteien im Laufe dieser Woche sicher mehrfach beraten werden, ist es wenig wahrscheinlich, dass bis Ende der Woche noch ein tragfähiger Kompromiss gefunden wird, der zum 1. Januar 2013 in Kraft treten kann." Damit greifen zum Jahreswechsel automatische Ausgabenkürzungen. Gemeinsam mit auslaufenden Steuer-Erleichterungen könnte dies Experten zufolge die USA über die sogenannte "Fiskalklippe" in die Rezession stürzen.

KPN-KURSEINBRUCH BELASTET TELEKOM-WERTE

Zu den größten Verlierern in Dax und EuroStoxx zählte die Deutsche Telekom mit einem Kursminus von 1,4 Prozent. Sie litt ebenso wie der Rest der Branche unter dem 16-prozentigen Kurssturz des niederländischen Konkurrenten KPN. Dessen Papiere fielen zeitweise auf 3,90 Euro und stellten damit ihr Zehneinhalb-Jahres-Tief vom November ein. KPN hatte zuvor die Streichung der Abschluss-Dividende angekündigt und für 2013 eine Ausschüttung von drei Cent je Aktie in Aussicht gestellt.

Am vergangenen Freitag hatte die niederländische Regierung die Ergebnisse der Auktion von Mobilfunk-Frequenzen bekanntgegeben und mit 4,8 Milliarden Euro deutlich mehr eingenommen als erwartet. Neben KPN hatten auch die Telekom, Vodafone und Tele2 den Zuschlag erhalten. Deren Aktien gaben zwischen 1,1 und 2,6 Prozent nach. France Telecom verloren 1,2 Prozent. Vor diesem Hintergrund rutschte der europäische Branchenindex um 1,7 Prozent ab.

Gefragt waren dagegen Infineon, die sich um 1,7 Prozent auf 5,92 Euro verteuerten. Sie profitierten Börsianern zufolge von der Aussicht auf eine Fortsetzung des Aktien-Rückkaufs.