Aussicht auf ultralockere Geldpolitik drückt Yen

Montag, 17. Dezember 2012, 15:13 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Nach dem Wahlsieg von Shinzo Abes Liberaldemokraten (LDP) bei den japanischen Parlamentswahlen könnte es dem Yen an den Kragen gehen.

Denn überwiegend rechnen die Anleger mit einer ultralockeren Geldpolitik der Bank of Japan, deren Unabhängigkeit in Tokio nicht als selbstverständlich gilt. Die Zentralbank wird noch in dieser Woche über die Zinspolitik beraten. Da die Zinsen in Japan schon nahe null Prozent liegen, spricht Börsianern zufolge einiges sogar für negative Zinsen in Japan. So zogen viele Anleger am Montag Dollar und Euro dem Yen vor. Der Dollar kletterte auf 84,48 Yen und lag damit so hoch wie seit Mitte April vorigen Jahres nicht mehr. Der Euro zog bis auf ein Neun-Monats-Hoch von 111,30 Yen. Beide Währungen gaben im Verlauf wieder etwas nach.

"Das ist eine technische Erholung des Yen - nachhaltig wird das nicht sein", sagte ein Händler. Schließlich habe der Yen schon seit Ankündigung der Neuwahlen im November nachgegeben - der Dollar hatte sich seither schon um rund drei Prozent verteuert. Die Wetten gegen den Yen sind nach Angaben der US-Derivate-Aufsicht (CFTC) vom Freitag auf dem höchsten Niveau seit fünf Jahren.

Seit dem Jahr 2000 befindet sich Japan zum vierten Mal in einer Rezession. Zudem leidet das Land unter einer hartnäckigen Deflation, einer Spirale aus fallenden Preisen und sinkender Investitionsbereitschaft. Der Bank of Japan dürfte nun der Wind noch unangenehmer ins Gesicht blasen, erklärten die Analysten der Commerzbank. Abe halte nichts von einer unabhängigen Notenbank. Die japanische Zentralbank hat erst seit 1998 den Status der Unabhängigkeit, der in der Euro-Zone und den USA für die EZB und die Fed als selbstverständlich gelten.

Anleger rechnen denn auch mit umfangreichen Konjunkturprogrammen und einer deutlichen Ausweitung der bereits lockeren Geldpolitik. "Schon am Donnerstag dürfte die BoJ neue geldpolitische Schritte beschließen, um die Wirtschaft zu stimulieren und den Yen zu schwächen", erklärten die Analysten der Metzler Bank.

Japans Verschuldung dürfte durch Abes Politik noch weiter steigen, fürchten Analysten. Am Rentenmarkt spielte dies aber kaum eine Rolle. Die Rendite der zehnjährigen japanischen Staatsanleihen lag kaum verändert bei 0,74 Prozent und damit deutlich niedriger als in den USA oder Deutschland: Die entsprechenden deutschen Bundesanleihen rentieren 1,35 Prozent, die US-Anleihen 1,72 Prozent. Allerdings werden die japanischen Bonds anders als europäische und amerikanische Staatsanleihen zu 90 Prozent von einheimischen Investoren gehalten.

Beim Euro-Dollar-Währungspaar hielten sich die Anleger am Devisenmarkt dagegen am Montag bedeckt. Die Gemeinschaftswährung notierte mit 1,3160 Dollar kaum verändert. Auch am europäischen Rentenmarkt überwog die Zurückhaltung. Der Bund-Future lag mit 144,84 Punkten neun Ticks niedriger. Die Renditen der spanischen und italienischen-Anleihen tendierten uneinheitlich, die spanischen zogen leicht an, während die italienischen leicht nachgaben. In dieser Woche werden unter anderem Spanien und Portugal den Kapitalmarkt nochmals anzapfen.