Dax klettert kurz auf Jahreshoch - US-Etatstreit bremst

Montag, 17. Dezember 2012, 15:47 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das Hick-Hack um den US-Haushalt hat zum Auftakt der letzten vollständigen Handelswoche des Jahres die europäischen Aktienmärkte erneut verunsichert.

Der Dax kletterte zwar kurzzeitig auf ein Fünf-Jahres-Hoch von 7627,14 Punkten, gab dann seine Gewinne aber wieder ab und notierte am Nachmittag bei 7594 Zählern. Der EuroStoxx50 konnte seine Anfangsgewinne ebenfalls nicht halten und verlor 0,2 Prozent auf 2624 Punkte. An den US-Börsen zeichnete sich ein etwas festerer Handelsstart ab, obwohl der Fed-Index für die Industrie im Bundesstaat New York im Dezember mit minus 8,1 Punkten weit schlechter ausfiel als prognostiziert.

Im Fokus stand weiter der US-Haushaltstreit. Die Chancen für eine vorübergehende Anhebung der Schulden-Obergrenze stünden zwar derzeit bei 90 Prozent, sagte Anlage-Strategin Michala Marcussen von der Societe Generale. "Aber jeder Tag der Tatenlosigkeit verringert diesen Wert." Das Angebot einer Steuer-Erhöhung für Einkommensmillionäre durch die Republikaner wertete sie grundsätzlich positiv, allerdings liege die Schwelle deutlich höher als beim Lager von Präsident Barack Obama, das bereits Einkommen ab 250.000 Dollar jährlich stärker zur Kasse bitten will. "Das würde ein Loch in Obamas Ziel von 1,4 Billionen Dollar an Steuer-Mehreinnahmen reißen", betonte Marcussen.

Die Analysten der Schweizer Privatbank Pictet & Cie gehen davon aus, dass die USA eine Lösung in ihrem Haushaltsstreit finden werden und das Wachstum in der weltgrößten Volkswirtschaft wieder anziehen wird. Damit sollten auch die derzeit sehr niedrigen Gewinnerwartungen im Jahresverlauf wieder nach oben revidiert werden, erklärte Finanzmarktexperte Alfred Roelli.

Ohne Einigung drohen zum Jahreswechsel in den USA automatische Ausgabenkürzungen und das Ende von Steuer-Erleichterungen, die nach Meinung von Experten zu einer Rezession führen könnten.

KPN-KURSEINBRUCH BELASTET TELEKOM-WERTE

Unter den Einzelwerten am deutschen Markt gab es nur wenig Bewegung. Lufthansa-Papiere führten die Dax-Gewinnerliste mit einem Aufschlag von 1,8 Prozent an, Fresenius-Anteilsscheine standen mit einem Minus von 1,6 Prozent am Ende des Leitindex.

Zu den Verlierern in Dax und EuroStoxx zählte die Deutsche Telekom mit einem Kursminus von 0,6 Prozent. Sie litt ebenso wie der Rest der Branche unter dem zeitweise 16-prozentigen Kurssturz des niederländischen Konkurrenten KPN. Dessen Papiere fielen zeitweise auf 3,90 Euro und stellten damit ihr Zehneinhalb-Jahres-Tief vom November ein. KPN hatte zuvor die Streichung der Abschluss-Dividende angekündigt und für 2013 eine Ausschüttung von drei Cent je Aktie in Aussicht gestellt. Der europäische Branchenindex gab 1,3 Prozent ab.

Gefragt waren dagegen Infineon, die sich um 0,8 Prozent auf 5,92 Euro verteuerten. Sie profitierten Börsianern zufolge von der Aussicht auf eine Fortsetzung des Aktien-Rückkaufs. Infineon-Chef Reinhard Ploss hatte einen solchen Schritt in der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe) in Aussicht gestellt.