US-Etatstreit holt Dax von Fünf-Jahres-Hoch herunter

Montag, 17. Dezember 2012, 17:59 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der offene US-Haushaltsstreit hat zum Auftakt der letzten vollständigen Handelswoche des Jahres die europäischen Aktienmärkte erneut verunsichert.

Angesichts der drohenden "Fiskalklippe" in den USA sowie der zuletzt imposanten Kursaufschläge gingen Anleger in Reichweite der Jahreshochs lieber auf Nummer Sicher, hielten sich mit neuen Engagements zurück und nähmen Gewinne mit, fasste IG-Markets-Experte Gregor Kuhn das Geschehen zusammen.

Der Dax kletterte kurzzeitig auf ein Fünf-Jahres-Hoch von 7627,14 Punkten, gab dann seine Gewinne aber fast vollständig wieder ab und schloss bei 7604,94 Zählern nur noch 0,1 Prozent im Plus. Der EuroStoxx50 konnte seine Anfangsgewinne nicht halten und verlor 0,2 Prozent auf 2625 Punkte. Die US-Börsen verzeichneten Aufschläge, obwohl der Fed-Index für die Industrie im Bundesstaat New York im Dezember mit minus 8,1 Punkten weit schlechter ausfiel als prognostiziert.

Das Angebot einer Steuer-Erhöhung für Einkommensmillionäre durch die US-Republikaner wertete Anlage-Strategin Michala Marcussen von der Societe Generale grundsätzlich positiv. Allerdings liege die Schwelle deutlich höher als beim Lager von Präsident Barack Obama, das bereits Einkommen ab 250.000 Dollar jährlich stärker zur Kasse bitten will. "Das würde ein Loch in Obamas Ziel von 1,4 Billionen Dollar an Steuer-Mehreinnahmen reißen", betonte Marcussen. Unmittelbar nach Börsenschluss in Europa gab das US-Präsidialamt bekannt, dass sich Obama mit dem Verhandlungsführer der Republikaner, John Boehner, im Weißen Haus treffen wolle.

Die Analysten der Schweizer Privatbank Pictet & Cie gehen davon aus, dass die USA eine Lösung finden und das Wachstum in der weltgrößten Volkswirtschaft wieder anziehen wird. Damit sollten auch die derzeit sehr niedrigen Gewinnerwartungen im Jahresverlauf wieder nach oben revidiert werden, erklärte Finanzmarktexperte Alfred Roelli.

Ohne Einigung drohen zum Jahreswechsel in den USA automatische Ausgabenkürzungen und das Ende von Steuer-Erleichterungen, die nach Meinung von Experten zu einer Rezession führen könnten.

KPN-KURSEINBRUCH BELASTET TELEKOM-WERTE

Unter den Einzelwerten am deutschen Markt gab es nur wenig Bewegung. Lufthansa-Papiere führten die Dax-Gewinnerliste mit einem Aufschlag von 1,9 Prozent an, Fresenius-Anteilsscheine standen mit einem Minus von 1,4 Prozent am Ende des Leitindex.

Zu den Verlierern in Dax und EuroStoxx zählte die Deutsche Telekom, reduzierten ihr Kursminus von bis zu 1,6 Prozent aber zum Handelsschluss auf 0,3 Prozent. Sie litt ebenso wie der Rest der Branche unter dem 15-prozentigen Kurssturz des niederländischen Konkurrenten KPN. Allerdings kann die Telekom bei ihren milliardenschweren Plänen zum Netzausbau auf Unterstützung ihres staatlichen Großaktionärs hoffen. Ab 2013 haben Anleger die Wahl, ob sie die Dividende des Bonner Konzerns bar kassieren oder in T-Aktien. Es sei noch nicht beschlossen, welche Option der Bund wähle, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums, die Entscheidung solle im Mai 2013 fallen. Die Telekom könnte sich auf diese Weise binnen drei Jahren Überweisungen von 1,25 Milliarden Euro sparen.   Fortsetzung...